Romane

Eine berragende rabenschwarze Sittenkomdie

Lucien "Lucy" Minor aus dem idyllischen Örtchen Bury ist ein blasser, schwächlicher Junge. Er hat weder Freunde noch Pläne - dafür allerdings das Talent zu lügen und neuerdings ein Stellenangebot: für den Posten als Unteroberhaushofmeister auf dem Schloss des Barons von Aux. Noch auf der Zugfahrt gen Osten begegnet er Memel und Mewe. Die beiden verdienen sich ihr Geld als Diebe. Und sie leben in einem Dorf unweit von Lucys neuem Zuhause. Es dauert nur wenige Augenblicke, schon sind die drei beste Freunde. Und die braucht Lucy ganz dringend, denn Seltsames geht im Schloss vor sich. Lucys Arbeitsgeber scheint im Verborgenen leben. Ebenso rätselhaft wie die Abwesenheit des Barons ist das Verschwinden von Lucys Vorgänger Broom. Was hat es mit dem Fehlen der beiden auf sich?

Noch ehe sich Lucy auf die Suche nach einer Antwort machen kann, verliebt er sich erst einmal Hals über Kopf. Allein bei Klaras Anblick werden Lucy die Knie weich. Aber es gibt einen Nebenbuhler. Adolphus wirbt ebenfalls um die Gunst Klaras. Er versucht alles, um Lucy Steine in den Weg zu legen, dummerweise mit einigem Erfolg. Doch Klara, Adolphus und all das gerät schon bald in den Hintergrund, als sich die Baronin von Aux zu einem Besuch ankündigt. Mit ihr reisen auch ein Herzog und dessen Gemahlin sowie ein Graf und ebenfalls dessen Gemahlin. Die fünf bringen Aufruhr ins Schloss von Aux. Dabei hat Lucy wichtigeres zu tun, als irgendeinem Adligen zu Diensten zu sein. Er muss herausfinden, was mit Broom wirklich geschah. Selbst wenn er sich dafür in große Gefahr begeben muss ...

Humor ist die beste Medizin. Und von dieser findet sich in Patrick deWitts Romanen sogar eine extragroße Portion. Diese sollte es unbedingt auf Rezept geben. Auch "Der Diener, die Dame, das Dorf und die Diebe" ist das tollste Antidepressivum, das man überhaupt in die Hände bekommen kann. Ab der ersten Seite gibt es hier Unterhaltung der amüsantesten Sorte. Während der Lektüre muss man so sehr lachen, dass man noch Tage nach Weglegen des Buches mit einem ausgewachsenen Muskeltiger zu kämpfen hat. Der Autor begeistert die Leser über alle Maßen - und zwar mit jeder Menge (Wort-)Witz und noch mehr liebenswert-verrückten Figuren. Seine Geschichten stecken voller 1a-Lesespaß. Außerdem sorgen sie selbst beim schlimmsten Miesepeter für gute Laune über viele, viele Stunden.

Die Werke von Patrick deWitt bewegen sich weit abseits literarisch eingetrampelter Pfade. Diese bedeuten ein Lesevergnügen, das alles ist, aber ganz sicher nicht 08/15. "Der Diener, die Dame, das Dorf und die Diebe" liest sich ein wenig wie "Alice im Wunderland", nur eben für Erwachsene. Nach nur wenigen Sätzen ist einem ganz schwindelig. Hier findet man zwischen zwei Buchdeckeln so viel Originalität, dass es einem glatt die Sprache verschlägt. Absolut genial! Einfach nur wow, wow, wow!

Susann Fleischer
01.08.2016

 
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Das Buch:

Patrick deWitt: Der Diener, die Dame, das Dorf und die Diebe. Aus dem Englischen von Jrn Ingwersen

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Mnchen: Manhattan Verlag 2016
352 S., 17,99
ISBN: 978-3-442-54774-6

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