Romane

Eine Hymne an die Weiblichkeit

Emma hat ihr Medizinstudium aufgegeben, um ein angenehmes Leben für ihren Mann, einen Chirurgen, und ihre zwei Kinder aufzubauen. Das war vor 26 Jahren. Inzwischen sind Tochter und Sohn aus dem Haus, und die Ehe mit Fernando hat ihren Zauber verloren. Mit Ende vierzig sehnt sich Emma nach mehr Aufregung, vor allem im Bett. Doch stattdessen wartet auf sie die Menopause. Als ihr Körper erste Zeichen des Alterns zu zeigen beginnt, packt Emma die Panik. An einem besonders schwarzen Tag voller negativer Gedanken wirft ein zufälliges Ereignis Emmas bequeme Routine komplett durcheinander: Nach einem Unfall begegnet sie dem Schreiner Ernesto und mit ihm unerwarteter Leidenschaft. Ernesto ist Emmas ersehnte Hoffnung und zugleich ihr Verhängnis.

Die beiden beginnen eine Affäre miteinander. Sie treffen sich regelmäßig in irgendwelchen zwielichtigen Motels und geben sich für ein paar Stunden ihren Gefühlen und ihren Trieben hin. Doch ist fraglich, ob die beiden miteinander tatsächlich eine Zukunft hätten. Während Ernesto an solch eine glaubt, sieht sich Emma in einem ziemlichen Dilemma. Denn auch wenn die Ehe mit Fernando seit längerem nicht mehr so glücklich ist wie in ihren Anfangsjahren, so liebt Emma ihren Arztgatten noch immer. Und sie hat eigentlich nicht vor, ihn zu verlassen - nicht einmal für Ernesto. Aber wie jede andere auch muss Emma sich früher oder später entscheiden: Was soll sie bloß machen? Ein Fehler hat nicht nur Folgen für sie, sondern ebenso für Fernando, Ernesto und Emmas Kinder ...

Unterhaltung, die so gut ist, dass einem ganz schwindelig wird - Gioconda Belli ist die wohl poetischste Stimme der nicaraguanischen Literatur. Ihre Romane zeugen von ungeheurer emotionaler Tiefe und einer Sinnlichkeit, wie man diese höchstens noch bei Isabel Allende zu finden vermag. "Mondhitze" feiert die Frau. Es lebe die Weiblichkeit! Als Leserin darf man sich dieses Lesevergnügen um keinen Preis der Welt entgehen lassen - und genauso wenig als Vertreter des vermeintlich starken Geschlechts. Denn in diesem findet man Literatur auf höchstem Niveau. Schade nur, dass das Buch mit knapp 300 Seiten ein wenig dünn geraten ist. Gerne hätte man sich länger, viel, viel länger diesem Lesegenuss mit allen Sinnen hingeben als nur für ein paar Stunden.

In Gioconda Bellis Werken stehen große Gefühle und das wohl ungewöhnlichste Leseerlebnis, das man überhaupt in die Hand bekommen kann. "Mondhitze" erzählt über die Erfahrungen und Abenteuer einer Frau in der Mitte des Lebens. Eine der besten Autorinnen Lateinamerikas erforscht hier das Älterwerden einer ganzen Generation und die falschen Mythen, die sich darum ranken. Denn die Schönheit der Frauen mag sich wandeln, aber sie vergeht nicht ...

Susann Fleischer
18.07.2016

 
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Das Buch:

Gioconda Belli:
Mondhitze. Aus dem nicaraguanischen Spanisch von Lutz Kliche

Bild: Buchcover Gioconda Belli, Mondhitze.

München: Droemer Verlag 2016
288 S., € 18,00
ISBN: 978-3-426-28131-4

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