Romane

(AUS-)GETRICKST - auch ein alter Druide muss noch neue Tricks lernen

Gleich mehrere Götter wollen Atticus O'Sullivan tot sehen, nachdem dieser - um ein Versprechen einzuhalten - dabei geholfen hat, dem Donnergott Thor den Garaus zu machen. Um der ungewollten Aufmerksamkeit zu entkommen, beschließt der Druide, sein eigenes Ableben - mithilfe der Trickster-Gottheit COYOTE - zu inszenieren. Doch wer sich mit einem Trickster einlässt, muss damit rechnen, selbst hereingelegt zu werden. Auch dieses Versprechen bringt den Druiden in Lebensgefahr. Zu allem Überfluss ist COYOTE nicht der einzige Weggefährte von Atticus, der sich auf Tricks versteht, und das Leben des Druiden und von dessen Freunden riskiert.

"Getrickst" ist bereits der vierte Band aus der Serie "Die Chronik des Eisernen Druiden". Der Titel ist gut gewählt, weil er - ohne an dieser Stelle Lesern bereits zu viel verraten zu wollen - gleich in mehrfacher sehr passend Hinsicht auf den Romaninhalt hindeutet. Autor Kevin Hearne beginnt die Geschichte furios mit dem vermeintlichen Ableben seiner Hauptfigur und entwickelt dann routiniert die eigentliche Story. Neben den ansprechend choreographierten und gekonnt beschriebenen Actionsequenzen besticht "Getrickst" vor allem durch komische Elemente, die einen reizvollen Kontrast zu den manchmal düsteren Ereignissen bilden. Verantwortlich dafür ist vor allem Atticus' Hund Oberon. Die telepathische Kommunikation zwischen Hund und Herrchen ist mit popkulturellen Anspielungen und witzigen Ideen gespickt. So spannt der Vierbeiner den Druiden auch schon einmal für verhaltenswissenschaftliche Untersuchungen - quasi "Menschenversuche" der besonderen Art - ein. Auch die Charaktergestaltung und deren Dynamik können überzeugen. So verändert sich die Hauptfigur im Laufe der Ereignisse und bekommt vielschichtigere - und dadurch glaubwürdigere - Züge. Aber auch die Figur des COYOTE ist gerade wegen ihrer Ambivalenz für den Leser so interessant. Sehr schön gelingt Kevin Hearne die realistisch wirkende Einbettung seiner Geschichte. Dafür bedient er sich dieses Mal vor allem der Mythologie der Navajo, aus der er zahlreiche reale Elemente übernimmt und diese harmonisch mit seiner Geschichte verbindet.

Wenige Details lassen sich an "Getrickst" kritisieren. So hätten einige Rückblicke auf die Vergangenheit des Druiden weniger kompakt ausfallen dürfen. So stören sie den Erzählfluss an einigen Stellen doch etwas zu sehr. Einen offensichtlichen Fehler hat Autor Kevin Hearne gar nicht selbst zu verantworten. So ist es schlicht falsch, wenn der Appetizer auf dem Buchrücken etwas reißerisch behauptet: "Atticus O'Sullivan steht auf der Abschussliste sämtlicher Donnergötter." Leser des dritten Bandes der Romanreihe wissen, dass mit Perun sogar ein Donnergott mit Atticus gegen Thor und dessen Verbündete gekämpft hat und bestimmt nicht auf den Tod des Druiden aus ist. Zahlreiche weitere Donnergötter spielen bei der Auseinandersetzung noch nicht einmal eine Rolle. So ein offensichtlicher Fauxpas wirkt auf Kenner der Reihe etwas befremdlich, beeinträchtigen aber zum Glück nur unwesentlich das Vergnügen bei der Lektüre des Buchs.

Kevin Hearne erweitert mit "Getrickst" die - neben Jim Butchers "Die dunklen Fälle des Harry Dresden" - wohl beste aktuelle Urban-Fantasy-Reihe um ein weiteres spannendes, facettenreiches und witziges Kapitel.

Ingo Gatzer
17.05.2016

 
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Das Buch:

Kevin Hearne: Getrickst: Die Chronik des Eisernen Druiden Bd. 4.

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Stuttgart: Hobbit Presse 2016
381 S., 16,95
ISBN-13: 9783608961348

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