Romane

Literatur, die süchtig macht

Siebenlehn/Sachsen, 1842: Die junge Amalie erwartet nicht viel vom Leben. Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Und dass sie eines Tages mal heiraten wird, daran glaubt sie auch nicht. Bis sie dann Wilhelm Dietrich kennenlernt. Amalie verliebt sich auf den ersten Blick in den Botaniker. Nur wenige Wochen nach ihrer ersten Begegnung sind die beiden Mann und Frau. Endlich rückt Amalie ihrem Traum vom Glück näher. Als dann Tochter Charitas geboren wird, scheint alles perfekt. Doch schon bald ist klar, dass bei den Dietrichs nichts zum Guten steht. Wilhelm, der sich immer einen Sohn gewünscht hat, behandelt Charitas wie ein lästiges Anhängsel und Amalie wie seine Angestellte. So vergehen die Jahre.

Die Ehe mit Wilhelm bietet Amalie die Gelegenheit, sich als Naturforscherin einen guten Namen zu machen. Sie reist durch ganz Europa und sammelt die seltensten Pflanzen für ihre Herbarien. Bei einer dieser Reisen trifft sie auf den Unternehmer Godeffroy. Der schickt Amalie im Jahre 1863 nach Australien. Für dessen exklusives Privatmuseum soll sie Sammlungen erstellen. Doch der Auftrag hat einen Preis: Amalie muss ihre Tochter zurück in Deutschland lassen. Zudem ist die Arbeit gefährlich - und das nicht nur, weil in Down Under gefährliche Tiere lauern. Die dortigen Ureinwohner, die Aborigines, sind der Fremden nicht unbedingt wohlgesonnen. Aus gutem Grund. Amalie soll für ihren Auftraggeber das Gesetz missachten.

Mehr als 50 Jahre später: Die Archäologie-Professorin Nadine übergibt einem Aborigine-Stamm ein Artefakt, das deutsche Forscher vor langer Zeit unrechtmäßig an sich gebracht haben sollen. Ihre 18-jährige Tochter begleitet Nadine nach Australien. Sie will dort für einige Monate leben und endlich mal ein Abenteuer erleben. Nadine macht sich Sorgen. Sie befürchtet, dass ihrer Tochter etwas Schlimmes zustoßen könnte. Und sie soll tatsächlich Recht behalten: Alina wird kurz nach ihrer Ankunft im Outback vermisst. Niemand weiß offenbar, wo die junge Frau ist. Ihr Handy ist ausgeschaltet. Nadine gerät in Panik. Schon einmal hat sie einen geliebten Menschen durch die Gewalt der Natur verloren ...

Lesegenuss pur - Annette Dutton ist eine meisterhafte Erzählerin. Sie gehört ohne jeden Zweifel zu Deutschlands Top-Autorinnen. Das beweist sie mit "Das Geheimnis jenes Tages" aufs Neue. Mit diesem Buch bekommt man ein Lesevergnügen der besonders schönen Sorte in die Hand. Bereits nach den ersten Sätzen kämpft man mit den Tränen und fühlt sich ganz trunken von Duttons Schreibe. Diese nimmt den Leser über viele, viele Stunden vollkommen gefangen. Sobald man mit dem Lesen beginnt, vergisst man alles um sich herum und die Zeit scheint keine Rolle mehr zu spielen. Nach der letzten Seite fällt es einem schwer, wieder in die Realität, ins normale Leben zurückzufinden. Literatur hat man noch nie so erlebt!

Mit ihren Romanen sorgt Annette Dutton für so gute Unterhaltung wie zum Beispiel Rebecca Martin oder Jennifer Donnelly. Die Schriftstellerin schreibt Geschichten, die ans Herz gehen und voller glücklicher Lesemomente stecken. Auch "Das Geheimnis jenes Tages" bedeutet ganz großes Gefühlskino. Hier findet man Emotionen im Übermaß. Seufz!

Susann Fleischer
21.09.2015

 
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Das Buch:

Annette Dutton:
Das Geheimnis jenes Tages

Bild: Buchcover Annette Dutton, Das Geheimnis jenes Tages

München: Knaur Taschenbuch Verlag 2015
384 S., € 9,99
ISBN: 978-3-426-51703-1

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