Romane

Scheherazades Geschichten treffen auf High Fantasy

Akram El-Bahays Debüt "Flammenwüste" ist eine wundervolle Geschichte, in der der Autor das Beste aus 1001 Nacht und High Fantasy verbindet. Sein Buch wurde auf der Leipziger Buchmesse 2015 mit dem Seraph-Preis für phantastische Literatur in der Kategorie "Bestes Debüt" ausgezeichnet. Dank des Tipps einer Kollegin war ich auf der Preisverleihung zugegen und wurde so auf das Buch aufmerksam, anschließend wollte ich wissen, ob das Buch von der 13-köpfigen Expertenjury auch zu Recht ausgezeichnet wurde. Ja, das wurde es!

Akram El-Bahay ist es gelungen sich eine phantastische Geschichte auszudenken und sie entsprechend zu erzählen. Der Protagonist Anûr ist der Enkel des großen Geschichtenerzählers Nûr ed-Din und mit diesem gerade in der Hauptstadt des gleichnamigen Sultanats Nabija, um ein wenig Geld zu verdienen, als er von seinem Großvater mal wieder als Vertretung eingesetzt wird. Als im Anschluss an die von ihm vorgetragene Geschichte Wachen des Sultans nach dem Gesichtenerzähler Nûr ed-Din fragen, gibt Anûr sich kurzerhand selbst als sein Großvater aus, um in den Palast vorgelassen zu werden. Dort wird er zunächst nicht nur zum Sultan geführt und erfährt über angebliche Drachenangriffe, sondern es gelingt ihm auch noch auf wundersame Weise, ein Jahrtausende altes Rätsel zu entschlüsseln. Nachdem er die erste Hürde der aufgedeckten Verwechslung von Anûr mit seinem Großvater überstanden hat, beginnt für ihn ein unglaubliches Abenteuer auf der Suche nach einem Drachen, das Anûr auf die Spuren der Vergangenheit führt und mit zahlreichen phantastischen Geschöpfen in Kontakt bringt, die Nabija und die angrenzenden Länder bevölkern.

Besonders schön waren die von Akram El-Bahay Anûr und den anderen Personen des Buches in den Mund gelegten Geschichten, die Hintergründe der Geschichte oder die Entstehung einiger Fabelwesen erklärten, und vom Lektorat sehr intelligent durch Kursive vom restlichen Textfluss abgesetzt wurden. Am Faszinierendsten war für mich die Geschichte um die Bibliothek der Ungeschriebenen Bücher, der ja auch Anûrs Geschichte entstammt. Das einzige Erzählmittel, das mir nicht zu hundert Prozent gefallen hat, war El-Bahays Obsession für Bilder um Anûrs Herzen. Ständig pochte es auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen, was an sich absolut seine Berechtigung hat, manchmal aber sehr gehäuft vorkam und dadurch etwas ermüdend wirkte.

Alles in allem ist Akram El-Bahay aber bereits mit seinem Debüt der große Wurf gelungen, in dem er es durch gekonnte Auslassungen oder das bloße Anerzählen einiger Ereignisse geschafft hat, soviel Neugier zu wecken, dass ich mich bereits jetzt schon sehr auf Anûrs nächste Geschichte, die Bastei Lübbe für den 10. September 2015 angekündigt hat, freue und hoffe, über das ein oder andere Wesen oder Volk noch mehr zu erfahren.

Sven Zerbes
11.05.2015

 
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Das Buch:

Akram El-Bahay:
Flammenwüste

Bild: Buchcover David Dalglish, Der Tänzer der Klingen

Köln: Bastei Lübbe 2014
526 S., € 9,99
ISBN 978-3-404-20756-5

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