Romane

Banalitäten und Society-Klatschtantenniveau

Oscar jagt von einer Promifete zur anderen und wandelt zwischen Sex und Alkohol, denn er steckt mitten in einer verfrühten Midlife-Krise und rechnet mit sich und der Gesellschaft ab. Unter dem Titel «Der romantische Egoist» (Ullstein) stellt der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder auf 285 Seiten sein Alter Ego, Oscar Dufresne, vor. In Tagebuchform, das im Jahr 2000 beginnt, lässt der Autor, der als «enfant terrible» der französischen Literaturszene gilt, den Leser jeden Tag an seinen Gedanken und seinem lotterhaften, realen und eingebildeten Bohemienleben teilnehmen, das im Wesentlichen aus Partypeople, Tussis und Muschis besteht. «Das missglückte Tagebuch eines gescheiterten Lebens», konnte man in Frankreichs Presse lesen, als das Buch im vergangenen Jahr erschienen ist.

Beigbeder hat aus der Geschichte eines Mannes, der von zwei Frauen verlassen wird, eine Anreihung zufälliger Fragmente gemacht. Die Kapitel sind in Jahreszeiten und Tage gegliedert, beginnend mit dem Sommer. So steht gleich auf der zweiten Seite des Buches unter dem Wochentag Mittwoch: «Es gibt eine Gerechtigkeit: Frauen kommen stärker als wir, aber seltener» und eine Woche später: «Nach Boris Vians "Ich werde auf eure Gräber spucken" neige ich eher zu: "Ich werde all eure Töchter poppen."»

«Ich mag nur lesen, schreiben und poppen» lautet denn auch seine Lebensphilosophie, die mitten in diesen unzusammenhängenden Textfragmenten auftaucht und ebenso banal und nichts sagend ist wie seine Assoziationen und Reflexionen. Von seiner Lesereise durch Deutschland, die ihn unter anderem nach München bringt, berichtet
Oscar: «Wie soll man in einem Land, in dem man nicht berühmt ist, baggern? Was tun, um Bajuwarinnen zu gewinnen? (...) Franzosen vergessen leicht, dass die Deutschen genauso unter dem Zweiten Weltkrieg gelitten haben wie sie. Es ist schwer, die Erbinnen eines Landes anzubaggern, das vor mehr als 55 Jahren dem Erdboden gleichgemacht wurde (...).»

In Beigbeders Buch gleichen sich die Tage, Monate und Jahreszeiten, denn sie sind ohne wirkliche Geschichten. Der Ton ist monoton und lamentierend und der Protagonist bleibt eine völlig neutrale, fast schon abstrakte Figur, für die der Leser weder Sympathien noch Antipathien entwickeln kann.

Erst am Ende verlässt Beigbeder das «Society-Klatschtanteniveau» und wird literarisch. «Was mir bleibt, wenn ich jetzt dieses Epos beende? Ein Geruch. Die Ausdünstung der Ledersitze in den englischen Autos meines Vaters. Der widerliche Gestank des Luxus. Jaguar, Daimler, Aston Martin, Bentley - alle riechen gleich und zu stark.
Ich erinnere mich an meinen Ekel vor diesen beigen Ledersitzen. Aber ich wollte dem Playboy gefallen, der immer so schnell unterwegs war.
Also allen Frauen gefallen, wie er. Und dafür musste ich jemand werden (...) Oscar Dufresne war kein Single auf der Suche nach einer Frau; er war ein kleiner Junge, der auf seinen Vater wartete(...).»

Sabine Glaubitz (dpa)
24.04.2006

 
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Das Buch:

Frédéric Beigbeder:
Der romantische Egoist

Bild: Buchcover Frédéric Beigbeder, Der romantische Egoist

Berlin: Ullstein Verlag 2006
285 S., € 19,95
ISBN: 3-5500-8636-9

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