Romane

Groartige Unterhaltung la "Der Hundertjhrige , der aus dem Fenster stieg und verschwand"

Rose ist mit ihren 105 Jahre nicht mehr die Jüngste, aber gehört noch längst nicht zum alten Eisen. Noch immer steht sie Tag für Tag in der Küche ihres Restaurants "La Petite Provence" und zaubert am Herd die leckersten Gerichte. Wie sie selbst von sich behauptet: "Wenn es ums Kochen geht, macht mir noch immer keiner etwas vor. Da bin ich sogar eine der Königinnen von Marseille." In den Stunden, wenn sie nicht arbeitet, denkt Rose über ihr Leben nach. Viel hat sie erlebt: den Genozid an den Armeniern, die Schrecken der Nazizeit und die Auswüchse des Maoismus. Deshalb hat sie vor nichts und niemandem mehr Angst. Sie glaubt an die Kraft der Liebe, des Lachens und der Vergeltung. Rose hat kämpfen müssen für ihr Lebensglück - und tut es noch immer.

Für den Fall, dass ihr jemand blöd kommt, trägt Rose stets einen Colt in der Tasche. Sie lässt sich von Mamadou, ihrem jugendlichen Gehilfen im Restaurant, auf dem Motorrad durch Marseille kutschieren, hört Patti Smith, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und denkt auch im biblischen Alter immer nur an das Eine. Nun ist es an der Zeit für Rose, ihre Memoiren zu schreiben. Es gibt einiges zu erzählen, unter anderem von den Begegnungen mit Reichsführer-SS Heinrich Himmler, Simone de Beauvoir und anderen Berühmtheiten des 20. Jahrhunderts. Rose hat aber auch viel Leid erfahren. Ihre Familie wurde kaltblütig ermordet. Ihr Mann flüchtete mit den Kindern aus dem besetzten Frankreich. Und, und, und. Aber aufgeben - das kam für Rose niemals infrage ...

Bei der Lektüre von Franz-Olivier Giesberts Romanen bekommt man herrlich gute Laune. "Ein Diktator zum Dessert" ist beste Unterhaltung à la "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand". Sobald man das Buch zur Hand nimmt, ist Langeweile kein Thema mehr. Und auch eine Laus auf der Leber hat keinerlei Chance. Der Autor entlockt seinen Lesern so manche Träne, aber ebenso ein seliges Lächeln. Man fühlt sich einfach nur glücklich, ganz berauscht von solch einem Genuss. Es wird einem sogar schwindelig vor lauter Lesespaß. Kein Wunder, dass man dafür liebend gerne alles stehen und liegen lässt. Giesbert schreibt Geschichten, denen man partout nicht widerstehen kann. Diese bedeuten das perfekte Lesevergnügen über viele, viele Stunden.

Mehr als 300 Seiten voller spritzigem Humor, großer Gefühle und Lebensweisheit -"Ein Diktator zum Dessert" ist Literatur, die alles ist, aber definitiv nicht nullachtfünfzehn. Mit seinen Büchern erfreut Franz-Olivier Giesbert den Leser in höchstem Maße. Hier wird gelacht, geweint und sich aufs Köstlichste amüsiert. Davon will man unbedingt mehr, viel mehr!

Susann Fleischer
30.03.2015

 
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Das Buch:

Franz-Olivier Giesbert: Ein Diktator zum Dessert. Aus dem Franzsischen von Katrin Segerer

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Mnchen: carls books 2015
336 S., 14,99
ISBN: 978-3-570-58538-2

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