Romane

Mystik und Logik

Zwei radikal verschiedene Welten prallen in dem neuen Abenteuerroman der Spanierin Matilde Asensi zusammen. Die Mystik der alten Inka-Kultur Südamerikas und die Logik des modernen Computerzeitalters müssen unter einen Hut gebracht werden, damit der junge Internet-Unternehmer Arnau den «verlorenen Ursprung» einer südamerikanischen Hochkultur finden und somit eine lebensbedrohende Krise lösen kann.

Das große Abenteuer in Arnaus Leben beginnt höchst mysteriös. Sein Bruder, der an der Universität von Barcelona als Anthropologe forscht, ist von einem Moment auf den anderen wie verwandelt. Er behauptet, tot zu sein, dann reagiert er nicht mehr auf äußere Reize und spricht in einer unverständlichen Sprache. Ehefrau und Bruder vermuten, dass dies mit einer seltsamen Übersetzung zu tun hat, die auf seinem Schreibtisch liegt. Ist der Forscher einem Fluch der Inkas zum Opfer gefallen?

Gemeinsam mit seinen beiden engsten Mitarbeitern, die auch seine einzigen Freunde zu sein scheinen, lässt Arnau seine Computerfirma im Stich und versucht, sich in das Forschungsgebiet seines Bruders einzuarbeiten. Dies nutzt Asensi, um die Kultur der Inkas, die spanische Eroberung Südamerikas und die Entwicklung des modernen europäischen Weltbilds ausführlich darzustellen. Mitunter übertreibt sie es dabei jedoch und hält den Erzählfluss über Gebühr auf.

Überzeugt davon, das Gegenmittel zum Fluch nur in der bolivianischen Ruinenstadt Tiahuanaco finden zu können, machen sich die drei Spanier auf den Weg nach Südamerika, wo sie mit Hilfe des Internets scheinbar mühelos die Forschungsarbeiten von Generationen von Wissenschaftlern nachvollziehen und sogar noch übertreffen. Aber mit ihrer neuzeitlichen Herangehensweise können sie nur teilweise erfolgreich sein. Sie erkennen, dass Computerlogik allein nicht reicht und sie auch auf mythisches Wissen zurückgreifen müssen: «Uns blieb nichts anderes übrig, als uns auszuliefern, uns dem Mysterium hinzugeben.»

Wie Indiana Jones klettern sie durch Pyramiden und finden einzigartige Schätze. Aber nicht nur das: Sie unternehmen eine Expedition in den unerforschten Amazonas-Dschungel auf der Suche nach den Nachkommen lange verschwundener Stämme und deren Wissen.

Asensi frönt ihrer Leidenschaft für einen glücklichen Ausgang, die bereits ihrem Vorgängerroman «Wächter des Kreuzes» nicht gut getan hat. Der eigentliche Erfolg der Unternehmung ist dann auch nicht die Forschungsreise in den Urwald. Das wichtigste Ergebnis ist die Veränderung, die Arnau durchlebt. Er erkennt seine selbst gewählte Isolation als Irrtum und beginnt, sich seinen Mitmenschen zuzuwenden.

«Der verlorene Ursprung» erzählt eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen und vielen faszinierenden Informationen über Südamerika vor Kolumbus. Allerdings übertreibt Asensi mitunter die historische Information und verliert sich bisweilen in verwirrenden Details. Alles in allem ist «Der verlorene Ursprung» aber ein intelligenter und spannender Unterhaltungsroman.

Axel Knönagel (dpa)
08.03.2006

 
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Das Buch:

Matilde Asensi:
Der verlorene Ursprung

Bild: Buchcover Matilde Asensi, Der verlorene Urspru

Berlin: List Verlag 2006
523 S., € 19,95
ISBN: 3-471-77044-5

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