Romane

Eine Lektüre fürs Herz

Die zehnjährige Darling lebt im Paradies. Für alle anderen jedoch ist die Blechhüttensiedlung Paradise in Zimbabwe ein Scherbenhaufen aus zerbrochenen Träumen, das Ende ihrer Hoffnungen. Darling kann sich nicht vorstellen, eines Tages woanders zu leben - fernab von ihrer Mutter und den Freunden. Schließlich ist dieser Flecken roter Erde voller Abenteuer. Hier lassen die Großen sie in Ruhe, die Entwicklungshelfer verschenken tolles Spielzeug und nirgends in Afrika kann man besser Guaven klauen. In Wirklichkeit allerdings fehlt fast alles: der Vater, die Schule, der Fernseher oder auch nur genug zu essen. Jeden Tag beginnt der Kampf ums Überleben aufs Neue.

Dann passiert etwas: Darlings Tante holt das Mädchen zu sich nach Amerika, genauer gesagt nach Detroit (Michigan). Plötzlich findet sich Darling im Himmel auf Erden wieder. Üppiges Essen, der Fernseher, die Schule - das alles ist bald selbstverständlich. Trotz dieses Luxus sehnt sich das Mädchen zurück nach Zimbabwe. Darling vermisst ihre Freunde und denkt oft an Bastard, Chipo, Godknows, Sbho und Stina. Die vielen Briefe nach Afrika können Darling kaum von ihrem Heimweh heilen. Die Sehnsucht nach Zuhause wird jeden Tag immer größer, bis sie beinahe unerträglich ist. Was Darling noch nicht an: In den USA wartet auf sie eine Aufgabe, die sie jegliche Sorgen vergessen lässt ...

Literatur, die einer Verführung für die Sinne gleicht - "Wir brauchen neue Namen" ist wahrlich der Traum, das Wunder von einer Geschichte. NoViolet Bulawayo gelingt mit ihrem Debüt Unterhaltung zum Niederknien. Nach nur wenigen Seiten vergisst man die Welt um sich herum und für viele, viele Stunden scheint nichts anderes mehr wichtig zu sein. Kein Wunder, denn die Autorin schafft ohne jeden Zweifel ein Meisterwerk der Emotionen. Bei der Lektüre kämpft man immer wieder mit den Tränen und es droht dem Leser, das Herz zu brechen. Hier erlebt man Momente des vollkommenen Glücks. Für solch einen Lesegenuss gibt es eigentlich keine Worte - außer vielleicht: Seufz!

NoViolet Bulawayo und ihr Roman "Wir brauchen neue Namen" sind die (literarische) Neuentdeckung dieses Jahres. Sobald die erste Zeile gelesen ist, ist man absolut gefesselt von der Story. Man kann das Buch einfach nicht mehr weglegen, wenn man es erst einmal zur Hand genommen hat. Einen schöneren Zeitvertreib kann man sich kaum wünschen.

Susann Fleischer
15.09.2014

 
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Das Buch:

NoViolet Bulawayo:
Wir brauchen neue Namen. Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow

Bild: Buchcover NoViolet Bulawayo, Wir brauchen neue Namen

Berlin: Suhrkamp Verlag 2014
264 S., € 21,95
ISBN: 978-3-518-42451-3

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