Romane

Ein Lesegenuss zum Niederknien

Daniel Hunter hat sich in London einen Namen als Anwalt gemacht. Er hat sich auf die hoffnungslosen Fälle spezialisiert und konnte so manchen mutmaßlichen Täter vor dem Gefängnis bewahren. Nun ist der elfjährige Sebastian auf Daniel angewiesen. Der Junge wird des brutalen Mordes an einem jüngeren Spielkameraden angeklagt. Die Indizien sprechen eine eindeutige Sprache, aber Sebastian beteuert seine Unschuld. Nach der ersten Vernehmung glaubt Daniel ihm und übernimmt seine Verteidigung. Er sieht es als seine Aufgabe, für den Elfjährigen vor Gericht zu kämpfen, und verliert sich schließlich in diesem Fall. Schon bald sieht sich Daniel mit Erinnerungen aus der eigenen Kindheit konfrontiert. Damals hat er die Hölle durchlebt.

Als Kind einer drogensüchtigen Mutter hatte er nie ein richtiges Zuhause - bis zu dem Tag, als er bei einer ganz besonderen Pflegemutter landete. Minnies Liebe war es, die den einsamen, unglücklichen Daniel lehrte, an sich selbst zu glauben. Wegen ihr studierte er schließlich Jura und wurde zu einem der erfolgreichsten Anwälte in London. Doch dann hat Daniel sie verlassen und aus seinem Herz verbannt - aufgrund eines Verrats, denn er ihr einfach nicht verzeihen kann. Plötzlich drohen die Dämonen der Vergangenheit wieder zu neuem Leben zu erwachen, als Daniel die Nachricht von Minnies Tod ereilt. Er versteht, dass Minnie stets nur das Beste für ihn wollte, und bereut, was er ihr angetan hat. Dafür ist es allerdings zu spät, oder?!

Daniel kann zwar nichts mehr gutmachen, aber er kann wenigstens für Sebastian alles geben. Bei den vielen Gesprächen erfährt Daniel, dass auch Sebastian in seinem jungen Alter viel Leid hat erfahren müssen. Bei der Verhandlung kommt dann die ganze grausame Wahrheit ans Licht: Sein Vater schlägt seine Mutter, die außerdem wegen psychischer Probleme in Behandlung ist. Daniel erinnert sich mit einem Mal an seine eigene Geschichte. Die Grenzen zwischen damals und heute, Schuld und Unschuld verschwimmen immer mehr. Daniel steht einmal mehr an einem Abgrund ...

Bereits mit ihrem Debüt "Der Schuldige" beweist Lisa Ballantyne: Die Britin ist eine Meisterin ihres Fachs. Während der Lektüre kämpft man mit den Tränen ob der Emotionen, die sich hier ihren Weg bahnen. Kein Wunder, dass man auch lange nach Weglegen des vorliegenden Buches die Welt um sich herum ausblendet. Für viele, viele Stunden scheint die Zeit stillzustehen. Nicht selten vergisst man sogar das Atmen. Und auch an Schlaf ist definitiv nicht mehr zu denken, sobald man mit dem Lesen begonnen hat. Ballantyne schreibt absolut packend - und zwar bis zur letzten Seite. Ihre Worte sind ein Genuss sondergleichen und machen jeden unendlich glücklich, aber auch traurig. Ohne jeden Zweifel: Diese Geschichte verändert das Leben des Lesers.

Spannende wie fesselnde Unterhaltung, die garantiert niemanden kaltlässt - mit "Der Schuldige" gelingt Lisa Ballantyne einen der besten Romane dieses Jahres. Das Debüt der Autorin zeugt von hoher Schreibkunst und nimmt einen ab der ersten Seite vollkommen gefangen. Hier gerät man innerhalb kürzester Zeit wahrlich in einen Leserausch. Das versteht man unter Literatur vom Feinsten!

Susann Fleischer
23.06.2014

 
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Das Buch:

Lisa Ballantyne:
Der Schuldige. Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz

Bild: Buchcover Lisa Ballantyne, Der Schuldige

München: btb Verlag 2014
480 S., € 19,99
ISBN: 978-3-442-75365-9

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