Romane

Unterhaltung, die alles andere als 08/15 ist

Die "Expo 58" steht kurz bevor und Thomas Foley, Regierungsbeamter im Dienste Ihrer Majestät, reist nach Brüssel, um den britischen Pavillon zu beaufsichtigen. Nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg stehen sich die Supermächte erstmals wieder gegenüber und mit Problemen muss jederzeit gerechnet werden. Doch schon bald verliert Foley seine Aufgabe aus den Augen. Schuld daran ist in erster Linie die junge wie hübsche Hostess Anneke, die ihn mit ihrem Charme in ein moralisches Dilemma zu stürzen droht. Plötzlich findet sich Foley in einem einzigen Gefühlschaos wieder, denn zuhause in London warten Frau und Kind auf ihn, während er sich kopfüber in das Getümmel stürzt. Das kann nur in einer Katastrophe enden, oder?

Foley sieht sich mit einem Mal mit solch einer konfrontiert, als er herausfindet, dass nicht unbedingt jeder derjenige ist, für den er sich ausgibt. Die Expo scheint nur so zu wimmeln vor intrigierenden Agenten der Supermächte. Und diese machen schließlich auch Foley das Leben schwerer als unbedingt nötig. Die Spannung zwischen NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten befindet auf dem Höhepunkt und in Brüssel droht die Eskalation. Foley ist offenbar der Einzige, der diese mit Hilfe von Anneke noch aufhalten kann. Oder etwa doch nicht? Statt sich daran zu erinnern, dass er im britischen Pavillon eigentlich für Frieden sorgen soll, gibt sich Foley um einiges lieber dem Moment hin - und vergisst über diesen einfach alles, selbst seine Familie ...

Unschlagbarer Wortwitz und große Gefühle - "Liebesgrüße aus Brüssel" bedeutet ein Lesevergnügen mit geradezu berauschender Wirkung. Hier fühlt man sich nach nur wenigen Seiten ganz high, beinahe wie auf Drogen. Es gibt keinen Zweifel: Jonathan Coe ist einer der großen Stars der englischen Literatur und seine Romane erscheinen wie ein Geschenk des Himmels. Mit der vorliegenden Komödie jedenfalls gelingt dem Schriftsteller ein Genuss der besonderen Art. Nicht selten möchte man sich hier am liebsten wegschmeißen vor lauter Lachen. Und trotzdem: Coe schlägt bei allem Spaß auch ernste Töne an. Emotionen machen die Lektüre zu einem betörend schönen Erlebnis, das man nicht mehr missen möchte. Wenn das nicht hitverdächtig ist, was dann?!

Mit einer guten Portion britischen Humors entlarvt Jonathan Coe in seinem Roman "Liebesgrüße aus Brüssel" die Absurditäten des Gesellschaftslebens - und unterhält den Leser auf beste Weise, die man sich nur wünschen kann. Kein Wunder, dass man bei der Lektüre gute Laune bekommt und man mehr als eine Träne lacht. Der englische Autor schreibt einen ganz schwindelig!

Susann Fleischer
07.04.2014

 
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Das Buch:

Jonathan Coe:
Liebesgrüße aus Brüssel. Aus dem Englischen von Walter Ahlers

Bild: Buchcover Jonathan Coe, Liebesgrüße aus Brüssel

München: DVA 2014
320 S., € 19,99
ISBN: 978-3-421-04614-7

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