Romane

Gttliche Urban-Fantasy

Der Literaturdozent Kevin Hearne ist in den USA mit seiner Serie "Die Chronik des Eisernen Druiden" längst eine feste Größe im Genre der Urban-Fantasy. Nun hat sich der Stuttgarter Klett-Cotta Verlag die Rechte an der Reihe für den deutschen Markt gesichert und mit "Die Hetzjagd" den Auftaktroman herausgebracht. Beweist der Verlag hier ein genauso gutes Näschen wie beim Einkauf der Werke von John Ronald Reuel Tolkien oder Patrick Rothfuss?

Ein Mann, der sich Atticus O´Sullivann nennt, hat sich in einem Provinznest im US-Bundesstaat Arizona niedergelassen, weil er die Ruhe schätzt. Allerdings geht es ihm dabei nach eigener Aussage um "die geringe Götterdichte und die fast vollständige Abwesenheit von Feen". Nein, Atticus ist nicht irre, sondern Ire - präziser: ein uralter irischer Druide. Bald geben sich allerdings Götter sowie andere übernatürliche Wesen bei ihm die Türklinge in die Hand, wobei einige von ihnen hartnäckig nach seinem Leben trachten. Denn der Druide stahl einst ein mächtiges Artefakt.

Kevin Hearne ist es gelungen, mit dem Druiden Atticus eine höchst interessante Hauptfigur zu kreieren, die als Ich-Erzähler dank Selbstironie und Schlitzohrigkeit schnell die Sympathien der Leser gewinnt. Durch immer neue Ideen, die kreative Verarbeitung von - sorgsam recherchierten - irischen Mythen und eine ganze Reihe von hochspannenden Sequenzen wird "Die Hetzjagd" zu einem echten Pageturner. Zudem verbindet der Autor nebenbei immer wieder geschickt Komik mit Referenzen aus der Popkultur. ("Das ist nicht der Druide, den ihr sucht.") Es ist ein Verdienst des erfahrenen Übersetzers Alexander Wagner, dass diese Anspielungen auch in der deutschen Fassung erhalten bleiben und funktionieren.

Natürlich ist Kevin Hearnes Ansatz nicht ganz neu. So finden sich etwa diverse Parallelen zu Jim Butchers berühmten Magier Harry Dresden. Das ist erst recht der Fall, wenn sich der Druide - wie einst der Magier - der Hilfe eines Werwolfrudels bedient. Doch insgesamt weist "Die Hetzjagd" genug Eigenständigkeit und tolle Einfälle auf, sodass diese Anleihen nicht zu stark negativ ins Gewicht fallen. Schon schwerer wiegt die fast absurde Häufung von übernatürlichen Wesen in der Umgebung von Atticus und die praktisch gottgleiche Macht des Druiden. Hier wäre (etwas) weniger mehr gewesen.

"Die Chronik des Eisernen Druiden" ist eine der besten Serien im Genre der Urban-Fantasy, die in den letzten Jahren erschienen ist. Fans von Harry Dresden & Co. können bedenkenlos zugreifen und sich an dem gleichermaßen spannenden wie ideenreichen und immer wieder komischen Debütroman von Kervin Hearne erfreuen.

Ingo Gatzer 
18.03.2013

 
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Das Buch:

Kevin Hearne: Die Chronik des Eisernen Druiden - Band 1: Die Hetzjagd. Aus dem Englischen von Alexander Wagner

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Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 2013
350 S., 19,95
ISBN: 978-3-608-93931-6

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