Romane

Begleys "Schmidtie" kämpft um neue Einsichten

"About Schmidt" ist mit Jack Nicholson auch durch Hollywood berühmt geworden. Louis Begley hat jetzt mit "Schmidts Einsicht" den dritten Roman über den Ex-Anwalt aus New York vorgelegt. Ein Ekel, das man trotzdem mögen kann. Mit 78 noch zu Einsichten bei der Liebe fähig? 

Albert Schmidt, gern Schmidtie genannt, ist ein alter Mann geworden, aber sein Liebesleben hat es weiter in sich. Als Eroberer kämpft er genauso heftig um die selbstbewusste Liebhaberin Alice wie als kommender Großvater mit seiner störrischen Tochter Charlotte. Beides mit gelinde gesagt mäßigem Erfolg. Besser läuft es mit der sehr jungen Ex-Geliebten Carrie, die einen Sohn ohne eindeutig klare Vaterschaft zur Welt bringt: Schmidt hat sich für rein väterliche Gefühle gegenüber der schönen Puertoricanerin entschieden. 

Leser der ersten beide Romane von Louis Begley über den pensionierten New Yorker Wirtschaftsanwalt erinnern sich: In "Schmidt" (erschienen 1997) hilft die wilde erotische Beziehung zu Carrie dem Ex-Anwalt aus Verzweiflung und Einsamkeit nach dem Krebstod seiner Ehefrau. Gleichzeitig zerbricht die Beziehung zur Tochter, die den von Herzen verabscheuten Junganwalt Jon heiratet. Im zweiten Band «Schmidts Bewährung» (2001) scheitert der Versuch des alternden Don Juan, Carrie dauerhaft an sich zu binden. 

Kinogängern hat Jack Nicholson diese halb abstoßende, auf seltsame Weise aber auch sympathische Figur in "About Schmidt" (2002) nahegebracht. Der Romanautor Begley, früher selbst New Yorker Wirtschaftsanwalt, rollt im dritten Band seiner Trilogie wieder eine elegant erzählte, zwischen kühler Distanz und melancholischem Verständnis wechselnde Geschichte aus "Schmidties" Leben aus, das sich dem Ende nähert. 

So elegant, kultiviert, gebildet und geschmackvoll sich dessen Umgangskreis hier wieder durch Dinnerpartys plaudert und trinkt, so erbarmungslos wird um den eigenen Vorteil durch Geld, sexuelle Gunst und Prestige gekämpft. Schmidt kämpft mit, teilt dabei vor allem in Gedanken heftig aus und steckt umgekehrt durch die Tochter und deren ihm von Herzen verhasster Schwiegerfamilie atemberaubende Schläge ein. 

Dass auch Verbündete verkappten Antisemitismus bei Schmidt als wichtige Quelle seiner Abneigung gegen die Schwiegerfamilie diagnostizieren, gehört zu Begleys raffiniertem Umgang mit dem widersprüchlichem Titelhelden. Wie kann man so einen mögen? Man kann! Am Ende stellen Katastrophen im Leben der Tochter den fast 80-Jährigen vor die Notwendigkeit, aus neuen Einsichten noch einmal Konsequenzen zu ziehen. 

Als Geschichtenerfinder scheut Begley nicht den "groben Klotz". Tragische Fehlgeburten, ruinöse Geldforderungen, die Geliebte wie aus dem Nichts an der Seite eines vorher unbekannten Nebenbuhlers - sowas findet man zuhauf in platten TV-Serien über unglückliche Reiche. Umso feiner, nuancierter, eleganter und vor allem in lebendiger Weise widersprüchlicher zeichnet der Autor auch in "Schmidts Einsicht" wieder das Innenleben seiner Hauptperson. 

Thomas Borchert, dpa 
28.11.2011

 
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Das Buch:

Louis Begley:
Schmidts Einsicht. Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger

Bild: Buchcover Louis Begley, Schmidts Einsicht

Berlin: Suhrkamp Verlag 2011
415 S., € 22,90
ISBN: 978-3-518-42250-2

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