Romane

Alex Capus' Liebesroman "Léon und Louise"

Alex Capus erzählt von einer großen, fast siebzig Jahre währenden Liebe vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege. Zugleich ist dieser Roman auch ein Stück Familiengeschichte des Schweizer Autors.

Er ist ein Grenzgänger zwischen der Welt der Fakten und dem Reich der Fiktion. Dem Schweizer Autor Alex Capus gelingt es scheinbar mühelos, konträre Sphären zu verbinden. In seinem 2005 erschienenen Roman "Reisen im Licht der Sterne" fabulierte er sich mit dem Eifer eines Schatzsuchers in die Biografie von Robert Louis Stevenson (1850-1894) hinein, zwei Jahre später widmete er sich in dem Bestseller "Eine Frage der Zeit" einem skurrilen Kapitel deutscher Kolonialgeschichte.

Jetzt legt der 1961 in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geborene Autor mit "Léon und Louise" einen Liebesroman vor, der sich an die eigene Familiengeschichte anlehnt. Der gelernte Journalist Capus erzählt von der lebenslangen Romanze zwischen seinem Großvater Léon und der freiheitsliebenden Louise. Sie lernen sich im Frühjahr 1918 kennen, als der 1. Weltkrieg fast zu Ende ist. Beide verlieben sich nicht nur Hals über Kopf ineinander, sondern werden bei einem der letzten Bombenangriffe der Deutschen schwer verwundet.

Zehn Jahre lang verlieren sich die beiden aus den Augen, bis der mittlerweile verheiratete Léon, der als Chemiker im Polizeipräsidium Giftmörder überführt, seine Geliebte zufällig in der Pariser Métro wiedertrifft. Ihre Gefühle füreinander sind so stark wie am ersten Tag. Aber niemals würde der gewissenhafte Léon seine Frau Yvonne und die Kinder verlassen, die Liebe zu Louise bleibt sein großes Lebensgeheimnis, bis am Ende des 2. Weltkriegs die Erleichterung über das Ende der Besatzung alle Heimlichtuereien hinwegfegt.

Geschickt verbindet Capus in seinem leicht lesbaren Roman Zeitgeschichte und persönliches Schicksal. Manchmal trägt er das Paris-Flair etwas dick auf, etliche Passagen sind schön illustriert, kommen aber nicht auf den Punkt. Minuziös beschreibt Capus die restriktive Flüchtlingspolitik der Franzosen in den 1930er Jahren. Beim Einmarsch der Deutschen werden alle Akten über verdächtige Ausländer flugs auf Lastkähne verladen und weggeschafft. Und auch das dunkle Kapitel der französischen Kollaboration mit den Nazis wird nicht ausgespart.

Auch der biedere Großvater Léon war alles andere als ein Held. Aber den Kaffee, der ihm von einem deutschen SS-Mann penetrant immer wieder angeboten wird, rührt er trotzdem nicht an. Ein winziger Akt des Widerstands, mehr nicht, aber Léon behält seine Würde. Ob sich diese Episode wirklich so zugetragen hat, erscheint am Ende dann zweitrangig.

Johannes von der Gathen, dpa
30.05.2011

 
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Das Buch:

Alex Capus:
Léon und Louise

Bild: Buchcover Alex Capus: Léon und Louise

München: Carl Hanser Verlag 2011
315 S., € 19,90
ISBN: 978-3-446-23630-1

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