Romane

Martina Brandls Provinzposse "Schwarze Orangen"

Martina Brandl ist in die Provinz zurückgekehrt. Nach ihren Großstadtfantasien von "Halbnackten Bauarbeitern" und ihrem Aussteigerabenteuer "Glatte runde Dinger" widmet sie sich in ihrem dritten Roman "Schwarze Orangen" dem Sozialgefüge einer Kleinstadt. 

Frech wie Pumuckl, spritzig wie ein Girlie und frivol wie eine Sängerin von der Reeperbahn - so sehen Publikum und Kritik das Allroundtalent Martina Brandl. Nach ihren Kabarett-Auftritten ("Die Show Deines Lebens") und ersten erfolgreichen Romanen ("Halbnackte Bauarbeiter") schlägt die 44-Jährige in ihrem neuen Buch "Schwarze Orangen" sanftere Töne an. Die hintersinnige Provinzposse aus einer süddeutschen Kleinstadt bezaubert mit liebevoll beschriebenen schrulligen Charakteren und genauen Milieuschilderungen. 

Der humorige Roman liest sich wie eine Hommage an ihre schwäbische Heimat, in die Brandl nach zwanzig Jahren in Berlin zurückgekehrt ist. Ein Grund für die Heimkehr war, dass man sich in einer Kleinstadt "nicht einfach wie die Axt im Wald benehmen kann. Man rennt sich ja praktisch ständig über den Weg". 

Auch die Personen des Romans stehen unter permanenter Sozialkontrolle: Besonders Frau Jasmin, die eigentlich Sieglinde heißt, bekommt als Inhaberin eines Obst- und Gemüselädchens am Rande der Stadt so einiges mit. Vor allem Frau Klammroth, die Königin aller Klatschtanten im Ort, raunt ihr stets das Neueste ins Ohr, wenn sie morgens pünktlich um zehn Uhr das Geschäft betritt. Und was Frau Jasmin nicht von ihr erfährt, wird spätestens dann durchgehechelt, wenn sie sich mit den anderen vom Schlemmerzirkel einmal im Monat um den Tisch des charmanten Richard von Stelten versammelt, um exquisit zu speisen. 

Nicht, dass es viel zu erzählen gäbe aus dem beschaulichen Städtchen am Fuße der Berge. Einzig der wortkarge, seltsam aussehende Sebastian oder "Bastl", den Frau Jasmin aus Mitleid Obstkisten schleppen lässt, will nicht so recht in das harmonische Stadtbild passen. Kein Mensch weiß, woher er kommt; keiner weiß, was er will. Als Richard von Stelten nach dem Genuss einer angeblich von Bastl gezüchteten Kreuzung aus Brombeere und Kumquat scheintot umfällt, ist es mit dem trügerischen Frieden aus. Weitere Unglücksfälle folgen - allesamt verursacht durch den Verzehr von Früchten -, und die Leute im Ort stehen Kopf. 

Ohne Arroganz, dafür aber mit viel Witz und leichter Feder zeichnet Brandl die sommerlich-heitere Szenerie eines überschaubaren Fleckchens Erde, in dem das Freibad neben Frau Jasmins Obstladen ein zentraler Schauplatz des mysteriösen Geschehens ist. Besonders witzig ist der Einfall der Autorin, die Erzählerin immer wieder in die Handlung hineinquatschen zu lassen: "Schämen Sie sich nicht, dass Sie von mir verlangen, zwei weitere Unschuldige sterben zu lassen?", fragt die Stimme aus dem Off ihr Publikum am Ende. Und das fühlt sich nicht nur deshalb von dem Buch angesprochen. 

Susanna Gilbert-Sättele, dpa 
16.05.2011

 
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Das Buch:

Martina Brandl:
Schwarze Orangen

Bild: Buchcover Martina Brandl, Schwarze Orangen

Frankfurt am Main: Scherz Verlag 2011
240 S., € 16,95
ISBN: 978-3-502-11059-0

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