Romane

Orient trifft Okzident - eine spaßige Lektüre voller Bissigkeiten

Ursel Piepenkötter liebt ihre Stadt aus ganzem Herzen. Als amtierende Oberbürgermeisterin unternimmt sie viele Anstrengungen, um den Einwohnern die Wünsche weitestgehend zu erfüllen. Als Dank dafür hofft die Mutter eines Teenager-Sohnes, abermals die bevorstehende Wahl zu gewinnen. Schließlich liegt auf ihrem Schreibtisch im örtlichen Rathaus noch jede Menge Arbeit. Doch ausgerechnet als sich die CDU-Politikerin der Gunst der Wähler sicher glaubt, bekommt die türkische Gemeinde einen neuen Geistlichen, der seine ganz eigenen Ziele verfolgt: Nuri Hodscha beabsichtigt, eine prächtige Moschee bauen zu lassen - allerdings ohne vorher den Stadtrat darüber zu informieren. Da ist Streit vorprogrammiert.

Aus der "Neuen Presse" muss die Piepenkötter erfahren, was der Hodscha in ihrer Stadt vorhat - und das 41 Tage bis zu Tag X. Von einem ersten Gespräch erhofft sich die Oberbürgermeisterin eine akzeptable Lösung für beide Seiten. Zu diesem Zeitpunkt weiß die Politikerin noch nicht, dass der Gegner mit allen Wassern gewaschen ist und einen offenen Kampf nicht scheu. Es bleibt ihr wohl nichts anderes übrig, als zu einer Geheimwaffe zu greifen. Sohnemann Patrick soll Hodschas Tochter Hülja um den kleinen Finger wickeln und ihr Geheimnisse entlocken, die ihren Vater zu Fall bringen könnten. Doch wie es im Leben so ist, kommt den Teenagern die Liebe dazwischen - sehr zum Leidwesen ihrer Eltern.

Während diese sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln bekriegen - und die Öffentlichkeit dabei fasziniert zuschaut -, nähern sich Patrick und Hülja vorsichtig einander an. Sie sind es auch, die wissen, dass ein Miteinander von Deutschen und Türken für beide Seiten von Vorteil ist. Im ersten Aufwallen der Hormone gibt sich das Paar den Gefühlen hin und zieht dabei den Zorn von Mutter und Vater auf sich. Auch wenn sie nicht ahnen können, wohin diese Reise sie führt, so wissen sie doch, dass die ganze Sache eigentlich nur ein dramatisches Ende nehmen kann - es sei denn, ihnen fällt schnellstmöglich eine passable Lösung für alle ein ...

Birand Bingül weiß, wie er seinen Lesern ein wundervolles Vergnügen voller Witz, Gefühl und Hintersinn schenkt. Sein Roman "Der Hodscha und die Piepenkötter" gehört definitiv zu den herausragenden Neuerscheinungen dieses Bücherfrühlings. Und dies nicht nur, weil diese charmant-humorvolle Geschichte riesengroßen Spaß macht. Erstklassige Wortduelle und überraschende Begebenheiten machen die Lektüre dieses Buches zu einer abwechslungsreichen Herausforderung, die man keineswegs versäumen sollte. Bingül hat es wirklich drauf, tolle Literatur mit großem Unterhaltungswert zu schreiben und dabei für extrem viel Zerstreuung zu sorgen. "Der Hodscha und die Piepenkötter" lohnt eindeutig den Kauf.

Susann Fleischer
02.05.2011

 
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Das Buch:

Birand Bingül:
Der Hodscha und die Piepenkötter

Bild: Buchcover Birand Bingül, Der Hodscha und die Piepenkötter

Reinbek: Rowohlt Polaris Verlag 2011
288 S., € 13,95
ISBN: 978-3-86252-015-2

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