Romane

"Der Pilot": Richard Bachs neuer Höhenflug

Seit dem Weltbestseller "Die Möwe Jonathan" vor 40 Jahren ist der US-Autor Richard Bach bekannt für zwei Leidenschaften: Das Fliegen und die Suche nach dem Sinn des Lebens. In seinem neuen Roman kehrt er wieder einmal zu diesen Themen zurück.

Der deutsche Titel ist einfallslos. "Hypnotizing Maria" hat der amerikanische Kultautor Richard Bach seinen jüngsten Band betitelt. "Der Pilot" heißt er in der Ausgabe, die der Allegria Verlag (Berlin) jetzt vorstellt. Wer Bach kennt, "Die Möwe Jonathan" oder andere seiner gut ein Dutzend Bücher gelesen hat, weiß, dass der Schriftsteller seit frühester Jugend im Cockpit sitzt und von jeher über das Fliegen schreibt.

In "Hypnotizing Maria" aber geht es Bach um eine philosophische (oder besser noch: metaphysische) Erkenntnis. Seine Abenteuer in der Luft sind Szenerie, anschaulich und spannend wie immer, aber dieses Mal nicht von tragender Bedeutung. Insofern ist auch der deutsche Untertitel irreführend: "Die Weisheit wartet über den Wolken". Die Weisheit, sagt Bach vielmehr, liegt in uns selbst: Kraft unserer Gedanken steuern wir die Realität.

Seine Geschichte beginnt mit einem Notruf. Der Protagonist, ein Fluglehrer namens Jamie Forbes, ist unterwegs nach Florida, als er den panischen Funkspruch einer Frau hört. Ihr Mann ist in der Luft bewusstlos zusammengebrochen, sie selbst weiß nicht, wie sie das Flugzeug landen soll. Forbes gelingt es, die führerlose Maschine zu orten. Er fliegt neben ihr her, stellt sich der verzweifelten Frau über Funk vor und flößt ihr Mut und Zuversicht ein. Tatsächlich bringt Maria das Flugzeug nach seinen Anweisungen heil auf den Boden. Ein Wunder? Nein, sagt sie wartenden Journalisten, der fremde Pilot habe sie über Funk "hypnotisiert". Forbes liest davon in der Zeitung. Hypnotisiert? Er ist überrascht, lernt aber durch die Begegnungen mit weiteren Menschen, dass "Hypnose" etwas ganz Alltägliches ist. Jede Aussage, jede Lehre, die ein Mensch im Laufe seines Lebens übernimmt, bestimmt sein Handeln, gerade so, als sei er von ihr hypnotisiert.

Genauso können wir uns selbst hypnotisieren, resümiert Bach. Positive Suggestionen geben uns Kraft, mit negativen Gedanken machen wir uns das Leben schwer, gibt der Autor seinen Lesern mit auf den Weg. Diese Weisheit anzunehmen, ist sicher nicht jedermanns Sache.

Mit seiner "Möwe Jonathan" hatte der inzwischen 74-Jährige einst eine weltweite Anhängerschaft gewonnen. Der schmale Band hielt sich über ein halbes Jahr auf der Bestsellerliste der "New York Times". 1972 allein wurden mehr als eine Million Kopien verkauft. Auch die Verfilmung fand noch ein großes Echo. Heute ist es still geworden um den damaligen Bestsellerautor. Die "New York Times", "Washington Post" und andere führende US-Medien machten sich nicht einmal mehr die Mühe, sein neuestes Buch zu besprechen. Dabei ist "Der Pilot" packend und lohnenswert für Leser, die Bachs gedanklichen Höhenflügen und spirituellen Ideen zu folgen bereit sind.

Gisela Ostwald, dpa
04.10.2010

 
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Das Buch:

Richard Bach:
Der Pilot. Die Weisheit wartet über den Wolken. Aus dem Amerikanischen von Thomas Görden

Bild: Buchcover Richard Bach, Der Pilot

Berlin: Allegria 2010
192 S., € 16,95
ISBN 978-3-7934-2195-5

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