Romane

Nichts ist, wie es scheint

Der Alltag ist für Jean Latran wie ein nicht endend wollender Spießrutenlauf, seit seine Frau Anne in ihrem Atelier Selbstmord beging. Immer wieder beschäftigt ihn eine Frage: Warum? Er kann es sich nicht erklären, denn schließlich waren sie doch glücklich und begegneten stets gemeinsam den Problemen des Lebens. Vielleicht findet er endlich die Antwort auf seine vielen Fragen bei der Person, die beinahe täglich auf Annes Handy anruft. Doch bevor er nur Gelegenheit bekommt, den Anrufer anzusprechen, legt dieser wieder auf und lässt einen ratlosen Jean zurück. Es dauert nicht lange, bis sich der Verlassene auf die Suche nach der geheimnisvollen Person begibt und alles daran setzt, die Wahrheit aufzudecken. Für ihn steht außer Frage, dass der Anrufer etwas weiß über Annes Suizid. 

Die Spur des Anrufers führt Jean in ein ruhiges Pariser Stadtviertel und zu einer Blinden, die große Ähnlichkeit mit Anne aufweist. Jean erliegt der Vorstellung, tatsächlich Anne vor sich zu haben und stürzt dabei in tiefe Verwirrung und Verzweiflung. Schließlich muss er erfahren, dass seine Frau, die er glaubte zu kennen, ihm ein wesentliches Detail ihres Lebens verschwieg: Sie hatte eine Zwillingsschwester, mit der sie ein schreckliches, gutbehütetes Geheimnis verband. Jean begibt sich zur Aufdeckung desselben in die Psyche beider Frauen und steht vor schier unüberwindlichen Abgründen. Schrittweise nähert er sich dem wahren Leben beider Frauen, die einander Leben und Tod bedeuteten und selbst nach Annes Selbstmord auf immer miteinander verbunden sein werden. 

François Gantheret ist einer von Frankreichs bekanntesten Autoren, der mit seinen Essaybänden und Romanen seine Leser zu berühren weiß und ihnen mit wenigen Worten die menschliche Psyche offenlegt. Für seinen Debütroman "Verlorene Körper" wurde er 2007 mit dem "Prix Ulysse" ausgezeichnet und von Kritikern und Kennern hochgelobt. Mit "Die verborgene Ordnung der Dinge" gelingt es ihm erneut, den Leser in den Sog einzigartiger Erzählkunst zu ziehen und vor dessen Augen ein bewegendes Psychodrama über zwei Frauen zu entfalten. Dabei erschafft er ein abwechslungsreiches Spiel aus Spannung und Dramatik, dessen man sich nur schwer entziehen kann und aus diesem Grunde bis zur letzten Seite hautnah an dem Geschehen bleiben möchte und muss. So gerät "Die verborgene Ordnung der Dinge" zu einer unvergleichlichen Lektüre, die zu fesseln und berühren weiß. 

Susann Fleischer 
09.08.2010

 
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Das Buch:

François Gantheret:
Die verborgene Ordnung der Dinge. Aus dem Französischen von Dirk Hemjeoltmanns

Bild: Buchcover François Gantheret, Die verborgene Ordnung der Dinge

München: dtv 2010
180 S., € 13,90
ISBN: 978-3-423-24792-4

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