Romane

Tragisch - Psychologisch - Komisch

Die Welt des frei praktizierenden Psychologen Hans-Peter Betzold wird erschüttert, als ihn seine Freundin nach einer mehr als zwölf Jahre andauernden Beziehung verlässt. Auch seine Praxis, in der er unkonventionelle Gesprächstherapien anbietet, läuft nicht besonders gut. Doch die Arbeit mit seinen Patienten gibt dem selbst psychologisch angeknacksten Therapeuten Halt. Betzold lebt sichtlich auf, als er sich auf den ersten Blick in eine unbekannte Schöne verliebt. Um sie zu erobern, ersinnt er einen perfiden Plan.

Christian W. Burbach begibt sich wie in seinem Erstlingswerk "Scheinzeit - nach dem Suizid der Partnerin", in dem er über den Selbstmord einer Borderlinerin schreibt, schriftstellerisch wieder in die Welt der psychischen Krankheiten. Manchmal spekulativ aber immer überzeugend lässt er seine Hauptfigur wie einen Detektiv, der den Täter durch die Untersuchung verschiedener Indizien aufzuspüren versucht, über mögliche Ursachen von psychologischen Störungen sinnieren. Das erweist sich als genauso spannend wie die - bis zum Ende des Romans heraus gezögerte - Antwort auf die für Betzold alles entscheidende Frage: Kann er seine Angebetete für sich gewinnen?

Da mag es überraschen, dass "Seelenklempner Doktor Smiley - Julias letzter Fall" über weite Strecken auch ein komischer Roman ist. Das liegt primär an dem (selbst-)ironischen Duktus von Erzähler und Hauptfigur. Immer wieder werden Erlebnisse und Beobachtungen mit viel Humor und etwas Spott kommentiert. Dazu dienen interessante sprachliche Bilder und Neologismen, wie der Terminus "Schnapsleichenverbringungsmission" für das Hinaustragen eines betrunkenen Kneipenbesuchers.

Zu gefallen weiß vor allem die wunderbar gestaltete Hauptfigur, Hans-Peter Betzold. Denn der Psychologe ist eben kein langweiliger, platt gebügelter Gutmensch, sondern ein Charakter mit Ecken und Kanten, ein Mensch mit Begierden und Schwächen. Jemand, der sich ein Headset nur deshalb kauft und es aufsetzt, um in der Öffentlichkeit Selbstgespräche führen zu können. Jemand, der ein psychologisches Talent besitzt und mit sich beinahe überschlagenden Sätzen in tiefstem fränkischen Dialekt seinen Patienten ihre Probleme verdeutlicht, was dann wiederum herrlich ironisch in Anlehnung an Rainer Werner Fassbinder kommentiert wird: "Ehrlichkeit essen hochdeutsch auf."

Diese dialektischen Ausführungen und die teilweise überlangen Satzkonstruktionen haben den Nachteil, dass sich das Werk von Christian W. Burbach nicht immer flüssig lesen lässt. Doch gleichzeitig sorgen diese Kunstgriffe auch dafür, dass der in Nürnberg spielende Roman authentisch wirkt.

Christian W. Burbach gelingt in dem vorliegenden Roman ein unterhaltsamer Balanceakt zwischen psychologischem Ernst und befreiender Komik. Alle Leser, die erfahren möchten, warum auch geistig gesunde Menschen Stimmen aus dem Kühlschrank hören können und wie die Liebesgeschichte zwischen Hans-Peter Betzold und der schönen Unbekannten endet, sei die kurzweilige Lektüre von "Seelenklempner Doktor Smiley - Julias letzter Fall" empfohlen.

Ingo Gatzer
22.03.2010

 
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Das Buch:

Christian W. Burbach:
Seelenklempner Doktor Smiley - Julias letzter Fall

Bild: Buchcover Christian W. Burbach, Seelenklempner Doktor Smiley - Julias letzter Fall

Schweinfurt: Wiesenburg Verlag 2010
220 S., € 15,90
ISBN: 978-3-940756-85-5

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