Romane

Hunger und Viren

Dr. Bernhard Roux, der Protagonist in Georg Dietrichs Roman "Nur Nebenwirkungen", ist im Auftrag des Hilfsprogramms der EU im Kongo unterwegs, als ihm aus dem Flugzeugfenster merkwürdige gelb-braune Flecken auffallen. In Kisangani lernt er einen ortsansässigen Farmer kennen, der darüber klagt, dass die Pflanzen ihr Pigment verlieren und eine gelb-braune Farbe annehmen, ohne abzusterben. Roux empfiehlt ihm einen kräftigen Dünger und vergisst die Angelegenheit.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen. Als Roux wieder in die Gegend kommt, muss er feststellen, dass die Lage schlimmer geworden ist. Die Krankheit hat sich ausgebreitet und die Pflanzen sterben ab. Zeitgleich tritt das Phänomen in Deutschland und Indonesien auf. Obwohl Wissenschaftler und Behörden vor Ort alarmiert sind, wird das Problem nicht ernst genommen und ignoriert. Als diese Erkrankung der Pflanzen auch in anderen Ländern auftritt und sich rasant ausbreitet, und dann auch noch weltweit die Tauben anfangen zu sterben, wird Alarm ausgerufen.

Im Pariser Pasteur Institut entdeckt der junge Dr. Michel Lafarge die Ursache: Ein mutierter Virus zerstört die Pflanzen und bedroht allmählich die Ernährungslage der ganzen Welt. Fieberhaft macht man sich auf die Suche nach einem Mittel, um den Virus auszuschalten.

Obwohl Georg Dietrich in seinem Roman "Nur Nebenwirkungen" eine Utopie schildert, ist diese auf eine beängstigende Art gar nicht so unrealistisch. Damit steht er in einer Linie mit Autoren wie Frank Schätzing, Michael Crichton, Douglas Preston und Lincoln Child, die ebenfalls wissenschaftliche Tatsachen weiterdenken und einen spannenden Plot darauf aufbauen. Durch die Verwendung chronologischer Einheiten wie Tage und Uhrzeiten wird die Dringlichkeit der Forschung sehr nachvollziehbar.

Dietrich schildert nicht nur die Seuche und die Hungersnot auf beängstigende Weise, sondern auch die Reaktion von Behörden und Regierungen, die nicht an einem Strang ziehen können und nur ihre Eigeninteressen verfolgen. Ungute Erinnerungen an den gescheiterten Weltklimagipfel werden beim Lesen des Buches wach. Somit erscheint "Nur Nebenwirkungen" als eine beängstigend realitätsnahe Utopie, die einen verleitet noch schnell Brot zu kaufen.

Jons Marek Schiemann
15.03.2010

 
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Das Buch:

Georg Dietrich:
Nur Nebenwirkungen

Bild: Buchcover Georg Dietrich, Nur Nebenwirkungen

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2009
265 S., € 18,80
ISBN: 978-3-8372-0542-8

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