Romane

Vielstimmiger Auftakt zu einem mehrbndigen Romanzyklus

Vor drei Jahren gewann Katharina Hacker mit ihrem Roman "Die Habenichtse", in dem sie die Generation der Mittdreißiger im Visier hatte, den Deutschen Buchpreis. Nun erscheint mit "Alix, Anton und die anderen" der erste Band eines auf mehrere Bände angelegten Romanzyklus über Alix, Anton und ihre Freunde, allesamt Mittvierziger, die über verpasste Chancen, unerfüllte Träume und Wünsche nachdenken. Allerdings werden die folgenden Bände - der nächste soll schon 2010 erscheinen - nicht mehr bei Suhrkamp verlegt werden - Hacker hat sich nach langjähriger Zusammenarbeit von ihrem bisherigen Verlag getrennt.

Alix, Anton und die anderen, das ist eine Gruppe von Menschen, die in Berlin leben und rein äußerlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben scheinen. Alix ist mit Jan, einem niedergelassenen Arzt verheiratet, Anton ist Psychotherapeut, mit eigener Praxis. Vierter im Bunde ist Bernd, Buchhändler und Homosexueller, der allerdings zurzeit keine feste Beziehung hat. Die vier Freunde treffen sich seit fast 20 Jahren allwöchentlich bei Alix’ Eltern Clara und Heinrich und zum Essen.

Diese Eckdaten lassen zunächst auf ein erfülltes und glückliches Leben schließen, doch die Wunden der Vergangenheit, die unerfüllten Sehnsüchte liegen unter der Oberfläche und werden von Katharina Hacker in einem ihr eigenen unaufgeregten Ton und aus vielerlei Sicht zu Tage gefördert. Da ist die Kinderlosigkeit von Alix und Jan; der Tod von Alix’ älterem Bruder, der als kleines Kind im See ertrank, während sich seine Eltern dem Liebesspiel hingaben; oder der frühe Unfalltod von Antons Eltern. Hackers Charaktere suchen in der Mitte ihres Lebens nicht mehr die Erfüllung ihrer einstigen Träume, sondern nach Alternativen, nach Veränderungen in einem Leben, das festgefahren scheint.

Das Besondere an diesem Mittvierziger-Roman ist Hackers Erzählweise: Sie wechselt nicht nur regelmäßig die Perspektive - von Ich-Erzählung bis zu auktorialer Erzählform oder innerem Monolog ist alles vertreten -, sondern sie macht diese verschiedenen Stimmen, Parallelhandlungen und Alternativen auch unmissverständlich im Druckbild ihres Romans deutlich. Zwei nebeneinander gesetzte Textblöcke enthalten jeweils unterschiedliche Gedanken, Handlungen und Perspektiven. Der Hauptstrang ist etwas breiter gesetzt, am Rand läuft eine Art Nebenhandlung mit. Ursprünglich wollte die Autorin beide Stränge gleich groß gesetzt haben, doch die Auseinandersetzung mit ihrem Verlag, die letztendlich zum Bruch führte, hat das verhindert. Hackers Intention war das Aufzeigen verschiedener Optionen im Leben ihrer Protagonisten und die Präsentation verschiedener Optionen des Erzählens. Leider ist dieses ehrgeizige und künstlerische Vorhaben nicht unbedingt geglückt. Die Zweispältigkeit erschwert den Lesefluss und -genuss enorm. Liest man zuerst den Hauptstrang, dann den Nebenstrang oder soll man immer springen? Beim Leser ruft diese zu sehr gewollte Konstruktion eher einen leichten Grad der Entnervung hervor, als dass sie das Talent und die Intentionen der Autorin positiv betont. Schade, denn beides ist unverkennbar vorhanden.

Sabine Mahnel
21.12.2009

 
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Das Buch:

Katharina Hacker: Alix, Anton und die anderen

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Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2009
126 S., 19,80
ISBN: 978-3-518-42127-7

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