Romane

Eine neue Epoche der Dark Fantasy

Sinthoras und  Caphalor, die aus Marcus Heitz erstem Epos "Die Zwerge" wohl bekannten grausamen und blutrünstigen Albae, sind die Protagonisten der Ersten Bände der "Legenden der Albae". Sie werden von den "Unauslöschlichen", dem geschwisterlichen Herrscherpaar Nagsar und Nagsor Inàste beauftragt, den Nebeldämon für den bisher größten Feldzug der Albae und ihrer Vasallen zu finden und zu verpflichten. Nur mit seiner Hilfe kann die Steinerne Pforte zum "Geborgenen Land", die von den "Fünften der Zwerge" gehalten werden, geöffnet werden. Nur durch diesen Geniestreich rückt das ewige Ziel der "Unauslöschlichen" und damit aller Albae in greifbare Nähe: die Zerstörung des Elbenreiches und die Auslöschung aller Elben im "Geborgenen Land".

Der erste Teil der "Legenden der Albae" ist zeitlich vor dem Beginn des Epos "Zwerge" angesiedelt. Markus Heitz entwickelt einen ganz anderen Blickwinkel auf die Ereignisse der Eroberung der Steinernen Pforte. Das Gegenstück als Blaupause findet sich dann zu Beginn in "Die Zwerge". Quasi wie in "Star Wars" halten wir Rückschau auf die Zeit vor der Zeit der Geschichte der "Zwerge" und betrachten die Ereignisse von der "Dunklen Seite der Macht" her. Markus Heitz entwickelt eine neue Welt und beschreibt ein anderes, eben "albisches" Lebensverständnis. Er bietet wie beiläufig eine Diashow der albischen Sichtweise der Kunst, Kultur und Lebensweise. Detailgetreu beschreibt er einzelne künstlerische "Werke", wie zum Beispiel "Blutmalereien" und deren sterbliche "Zutaten".

Heitz skizziert darüber hinaus die perfiden Verhaltens- und Denkweisen der Albae. Ja, sie kommen uns rassistisch und arrogant vor, diese Alben. Nach der ersten, Übelkeit erregenden Grausamkeit, "gewöhnt" sich der Leser fast  an deren Art der Lebensäußerung, so dass die beiden so unterschiedlichen Protagonisten in ihren schrecklichen Erlebnissen "normal" und durchaus menschlich erscheinen. Sie faszinieren in ihrer Gegensätzlichkeit, so dass dem Leser Sinthoras und Caphalor allmählich sympathisch werden.

Der machthungrige, hitzköpfige Sinthoras, dessen Ziel die weitläufige Eroberung und Unterwerfung aller umliegenden Länder und Bewohner ist, und der bodenständige Caphalor der zu einer zurückhaltenden, die Grenzen sichernden Politik neigt, werden im Laufe der Erzählung wider Erwarten – hier erscheint die Story allerdings zu glatt und unlogisch - zu Freunden, die an der ihnen gestellten Aufgabe wachsen. Markus Heitz Schreibstil fasziniert immer wieder aufs Neue. Zunächst in einem kleinem Radius fokussierend, zieht er mit dem Fortgang der Geschichte immer größere "Kreise" und weitet den Blick schließlich bei der großen Heerschau und dem Beginn der Kämpfe. Er bleibt dabei detailverliebt, ohne zu übertreiben.

Heitz mag überraschende Wendungen der Geschichte: Diese entwickeln sich zunächst zweigleisig – entsprechend der gegensätzlichen Protagonisten, deren Abenteuer abwechselnd erzählt werden. Heitz baut Spannung auf, indem er an der interessantesten Stelle abbricht, eine neue Szene beschreibt, um an anderer Stelle wieder an die vorherige anzuknüpfen. Er führt schließlich die unterschiedlichen Erzählstränge allmählich zusammen, um deren Gleichzeitigkeit zu manifestieren, die Entwicklung der Geschichte und der Charaktere zu vervollkommnen.

Interessant ist auch die Ideenvielfalt. Heitz zeichnet unterschiedlichste, neuartige und grausame Kreaturen wie die Fflecx, Srink, Jeembina und Phaiu Su. Den Witz der "Zwerge" lässt Heitz vermissen, stattdessen bietet er dem Leser die überlegene, stellenweise perverse und dunkle Denkweise der "Albae". Eine Karte von "Ishím Voróo" und dem Albae Reich "Dsôn Faïmon" sowie die Aufstellung der "Dramatis Personae" liefert Markus Heitz vorweg. Eine neue Epoche der Dark Fantasy hat begonnen. Wir dürfen auf die Fortsetzungen gespannt sein.

Angela Lorenz-Ridderbecks
11.05.2009 

 
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Das Buch:

Markus Heitz: Die Legenden der Albae. Gerechter Zorn

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Mnchen: Piper Verlag 2009
592 S., 15,00
ISBN: 978-3-492-70154-9

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