Romane

Öko-Lolita auf Antikriegsdemos

"Irgendwie fängt irgendwann irgendwo die Zukunft an" - diese berühmte Textzeile aus einem Nena-Hit der 80er Jahre stand nicht nur Pate für den Titel von Verena Carls neuestem Roman, sondern gibt auch die Gefühlslage der 12-jährigen Lola, deren peinvolles Erwachsenwerden in den 80ern die Autorin in "Irgendwann, irgendwie" beschreibt, treffend wider.

Lola - die unterschwellige Anspielung auf den Namen Lolita kommt nicht von ungefähr - ist zwölf Jahre alt und alles andere als glücklich: Sie hat Haut- und Figurprobleme, die falschen Klamotten, ist uncool und hat somit auch keine Freunde, ihre Anwesenheit wird lediglich von einigen Schulkameraden geduldet. Nicht gerade hilfreich ist es dann, wenn die Mutter auch noch mit einer Frau zusammen lebt und hartes Bio-Brot, Jutetaschen und Anti-Atomkraft-Demos zum Alltag gehören. Als wären ihre Lebensumstände nicht schon schwierig genug, verliebt sich die Zwölfjährige, die ihren gleichaltrigen Schulkameraden in Sachen geistiger Reifungsprozess einige Längen voraus ist, auch noch Hals über Kopf in den bisher erfolglosen Schriftsteller Anton Olbricht, der ihr Vater sein könnte und mit dem ihre Mutter eine kurze Affäre hatte.

Ein im Scherz dahergesagtes Versprechen lässt Lola in dem Glauben, sie müsse sich nur irgendwie bis zu ihrem 17. Geburtstag durch die Wirren ihrer Pubertät schlagen, und dann stände einem Zusammensein mit Anton nichts mehr im Wege. Die Zeit bis dahin vertreibt sie sich mit Tagträumen und dem pickligen, politisch engagierten Stefan, dem Sohn ihrer Lehrerin. Er versetzt sie zwar nicht in schwärmerische Höhen, aber einen Freund zu haben, bewahrt sie vor weiterem Außenseitertum in der Schule.

Verena Carl, die selbst in Freiburg, dem Schauplatz des Romans, aufgewachsen ist und auch die 80er Jahre als Teenager erlebt hat, versteht es, den heute Mittdreißigern ein Gefühl des Sich-Wiedererkennens in den Irrungen und Wirrungen ihrer Pubertät zu geben. "Irgendwie, irgendwann" handelt nicht nur von Lolas Teenagerproblemen, sondern gibt auch ein authentisches Bild des Jahrzehnts der Friedensbewegung, ökologischen Korrektheit und der permanent vorhandenen Angst vor einem Atomkrieg.

Sabine Mahnel
22.09.2008

 
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Das Buch:

Verena Carl:
Irgendwie, irgendwann

Bild: Buchcover Verena Carl, Irgendwie, irgendwann

Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2008
300 S., € 14,95
ISBN: 978-3-8218-5825-8

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