Romane

Der neue Bronsky-Roman: einmal mehr ein absoluter Kracher im Bcherregal

Walter Schmidt ist ein Mann alter Schule: Er hat die Rente erreicht, ohne zu wissen, wie man sich eine Tütensuppe macht und ohne jemals einen Staubsauger bedient zu haben. Schließlich ist das seit 52 Ehejahren seine Frau Barbara. Doch die steht eines Morgens nicht mehr auf. Und von da an wird alles anders. Der unnahbare Walter muss sich am Ende seines Lebens plötzlich neu erfinden: als Pflegekraft, als Hausmann und fürsorglicher Partner, der er nie gewesen ist in all den gemeinsamen Jahren mit Barbara. Und natürlich geht nicht nur in der Küche alles schief. Doch dann entdeckt Walter den Fernsehkoch Medinski und dessen Facebook-Seite, auf der er schon bald nicht nur Schritt-für-Schritt-Anleitungen findet, sondern auch unverhofften Beistand. Nach und nach beginnt Walters raue Fassade zu bröckeln – und mit ihr die alten Gewissheiten über sein Leben und seine Familie ...

Literatur, die sich herrlichst amüsant liest, es aber auch an Tiefgang nicht fehlen lässt - was Alina Bronsky schreibt, bedeutet Unterhaltung weitab des Mainstreams. Ihre Romane sind alles, aber definitiv nicht nullachtfünfzehn. Und das ist gut so! Auch "Barbara stirbt nicht" begeistert von der ersten bis zur letzten Seite. Hier erfährt man nämlich ein Vergnügen, das jede Laus innerhalb eines Wimpernschlags von der Leber vertreibt. Die deutsche Autorin ist ein Ausnahmetalent. Wie kaum jemand sonst erfasst sie das Seelenleben ihrer Protagonisten so gut, dass man als Leser deren Gefühle miterlebt, mitfühlt und diese schließlich als die eigenen glaubt. Ihr neuestes Buch ist ein Geniestreich unter den Neuerscheinungen 2021. Hoffentlich folgt ganz bald der nächste! Solange liest man sämtliche bisher veröffentlichte Werke von Bronsky in Dauerschleife; also immer und immer wieder.

So grandios Geschichten zu erzählen, wie es Alina Bronsky mit jedem ihrer Bücher macht, ist eine Kunst, die ihresgleichen sucht. "Barbara stirbt nicht" liest man mit einem breiten Lächeln auf den Lippen sowie ganz feuchten Augen. Diese Balance aus Leichtigkeit und Schwermut, aus Humor und Ernst/Traurigkeit ist von größter Seltenheit zwischen zwei Buchdeckeln. Kein Wunder, dass dem Leser nach nur wenigen Sätzen regelrecht schwindelig ist von Bronskys Schreibkönnen. Dieses haut einen glatt um! Nur schade, dass ihr aktuelles Buch mit gut 250 Seiten eigentlich viel zu dünn geraten ist. Gerne hätte man Herrn Schmidt noch länger durch die Höhen und Tiefen seines Daseins begleitet!

Susann Fleischer 
08.11.2021

 
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Das Buch:

Alina Bronsky: Barbara stirbt nicht

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Kln: Kiepenheuer & Witsch 2021 256 S., 20,00 ISBN: 978-3-462-00072-6

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