Romane

Auf Shakespeares Spuren

Kaum einer kennt London und seine literarische Vergangenheit so gut wie Peter Ackroyd, Autor von Romanen, Sachbüchern und Biografien. Der 1949 in der Themse-Metropole geborene, unglaublich produktive Schriftsteller widmete seiner Heimatstadt eine fast 900 Seiten starke, detailverliebte «Biografie», die 2002 auf Deutsch erschien. In seinem neuen Roman «Wie es uns gefällt» verknüpft Ackroyd Realität und Fiktion zu einem historischen, faszinierenden Literatur-Krimi auf den Spuren von William Shakespeare.

Im London des 18. Jahrhunderts tauchen spektakuläre Manuskripte auf, die aus der Feder des großen Barden stammen sollen. Dies behauptet zumindest ein junger Mann namens William Ireland, dessen Vater einen Buchladen in der Holborn-Passage betreibt. Ackroyd verknüpft die Geschichte des historischen Fälschers William Ireland mit der von Charles und Mary Lamb. Die beiden Geschwister teilten die Liebe zu Shakespeares Werken, ihre kindgerechten Shakespeare- Erzählungen finden sich noch heute in den Bücherregalen vieler englischer Kinderzimmer.

Mary Lambs Geschichte ist dagegen weniger kindertauglich: Sie erstach ihre tyrannische Mutter und wurde fortan von Wahnsinnsanfällen gepeinigt. Statt im Gefängnis zu enden, wurde sie therapiert - und widmete sich mit ihrem Bruder ganz der Literatur.Soviel zu den Fakten, aus denen Ackroyd eine spannende Kriminalgeschichte strickt.

Mit Shakespeare-Relikten von einer anonymen Gönnerin versetzt William Ireland die ganze Stadt ins Literaturfieber und sichert sich nebenbei auch die Zuneigung der labilen Mary, die unter ihrem demenzkranken Vater und ihrer tyrannischen Mutter zu leiden hat. Für Mary ist die Liebe zum Schauspiel ein Ausweg aus ihrem häuslichen Gefängnis. So lässt sie sich von William umgarnen, der schließlich ein bis dato unveröffentlichtes Shakespeare-Drama entdeckt. Erst nach einer pompösen, aber misslungenen Inszenierung am Drury Lane Theatre wird die Authentizität des Werks von Experten angezweifelt und es kommt zum großen Finale.

Die Überraschung dürfte sich in Grenzen halten, denn der Plot ist für Krimileser leicht durchschaubar. Ackroyd überzeugt vielmehr durch seine glaubwürdige Inszenierung des London des 18. Jahrhunderts. Wenn Mary und William auf den Spuren Shakespeares wandeln, stimmt nicht nur jeder Straßenname - die engen Gassen und verruchten Kneipen wirken so plastisch, dass man die klappernden Pferdekutschen vor dem geistigen Auge vorbeifahren sieht. Literaturliebhaber freuen sich über interessante Details aus dem Leben und Werk des großen Dichters, mit denen Ackroyd die Geschichte stellenweise allerdings etwas überfrachtet hat, etwa wenn William Ireland die Vorzüge der Shakespeare-Volksausgaben preist.

Für seinen historischen Kriminal- und Liebesroman musste Ackroyd einige Details im Leben seiner (realen) Protagonisten verändern - und leider bleibt so bisweilen unklar, wo die Fakten aufhören und wo die Fiktion beginnt. Aber schließlich ist das Spiel mit der Realität ja auch ein zentrales Thema in Shakespeares Werken. Und die liest man nach der Lektüre von «Wie es uns gefällt» sicher mit anderen Augen.

Michael Brächer, dpa
15.12.2007

 
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Das Buch:

Peter Ackroyd:
Wie es uns gefällt

Bild: Buchcover Peter Ackroyd, Wie es uns gefällt

München: Knaus Verlag 2007
224 S., € 17,95
ISBN: 978-3-8135-0263-3

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