Romane

Barnes-Roman über den Schöpfer Sherlock Holmes'

Wie sein Werk, so der Schöpfer: Der berühmte britische Schriftsteller Arthur Conan Doyle tut es einmal im Leben seiner ebenso berühmten Kunstfigur Sherlock Holmes gleich und spielt Meisterdetektiv. Es sind die haarsträubenden Ermittlungsmethoden in einem aktuellen Fall, die Doyle (1859-1930) auf die Palme bringen, aber auch sein angeborener Gerechtigkeitssinn. Sein messerscharfer Verstand sagt ihm sofort, als er mit den Fakten des zu Unrecht verurteilten Anwalts George Edalji vertraut wird: Hier liegt ein schrecklicher Irrtum vor. Dieser Fall wird ihn für Jahre beschäftigen. Doyles Kampf gegen die britische Justiz für mehr Gerechtigkeit ist Inhalt eines neuen Romans des englischen Schriftstellers Julian Barnes - und authentisch belegt.

Die Handlung setzt erheblich früher ein, in den Kinder- und Jugendjahren von Arthur und George, die sowohl alters- als auch standesmäßig weit auseinander liegen, an völlig verschiedenen Orten aufwachsen und deren Wege sich erst Jahrzehnte später kreuzen.

George, ein introvertierter, geradliniger Sonderling mit indischen Wurzeln, wird Provinzanwalt. Der Sohn eines Dorfpfarrers bleibt sein Leben lang ein unverheirateter Einzelgänger. Arthur hingegen - eloquent, sportlich und beliebt - studiert Medizin, reist zur See, beginnt zu schreiben - und hat auf ganzer Linie Erfolg, auch bei Frauen. Zwei Mal wird der Mann, der Sherlock Holmes schuf, heiraten.

Er wird zum Ritter geschlagen und gehört schon bald der ersten Autorengarde des Imperiums an. In späten Jahren wendet er sich dem Spiritualismus zu.

Was beide gemeinsam haben, sind ihre Vorstellungen von Ehre, Recht und Würde. Das zeigt sich vor allem, als George Edalji unschuldig wegen angeblicher Tierverstümmelung zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt wird. Rassistische Verblendung mancher Einwohner und Polizeibeamter, unfähige und unwillige Rechtsvertreter, Vetternwirtschaft in höheren Justizkreisen und vor allem Ignoranz und Arroganz eines Rechtssystems, das sich als unfehlbar darstellt, lassen George keine Chance, auch später nicht auf Rehabilitation.

Es sind weniger die Lebenswege der beiden Hauptprotagonisten an sich, die dieses Buch so fesselnd machen, sondern die Art und Weise, wie Julian Barnes sie erzählt. Eigentlich gibt es nur ein Wort dafür: großartig. Der mehrfache Literaturpreisträger («Flauberts Papagei», «Darüber reden») führt mit Wärme, leiser Ironie und einem unglaublichen Gespür für menschliche Gefühle durch die Geschichte.

Was auch die bekannte britische Krimi-Autorin P.D. James zu höchstem Lob veranlasst: «Dieser Roman zeigt Julian Barnes auf dem Höhepunkt seines Könnens.»

Frauke Kaberka, dpa
05.05.2007

 
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Das Buch:

Julian Barnes:
Arthur & George

Bild: Buchcover Julian Barnes, Arthur & George

Köln: KiWi 2007
525 S., € 22,90
ISBN: 978-3462037067

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