Romane

Ein Juwel der Literatur, das (fast) alles andere überstrahlt

Was wirklich zählt hat Eric längst vergessen. Jeden Mittwoch besucht er seinen autistischen Sohn Isaac in der französischen Kinderklinik, um mit dem immerzu schweigenden Jungen Karpfen zu beobachten - bis ihm die Besuche verboten werden. Eric fühlt sich von aller Welt verlassen. In seiner Verzweiflung fährt er zum Haus seines kürzlich verstorbenen Onkels, mitten in der Montagne Noire, dem südlichen Ausläufer des französischen Zentralmassivs. Erinnerungen an ein anderes Leben kommen in Eric hoch, als es noch Farben hatte und in dem es Zärtlichkeit und Geborgenheit gab. Der Zufall will es, dass Eric just zu diesem Zeitpunkt von seinem Onkel einen grünen 2CV erbt, Baujahr 1973. Ein Neubeginn? Jedenfalls eine Chance, dem Leben einen neuen Dreh zu geben. 

Noch ehe es sich Eric zweimal überlegen kann, fährt er in die Kinderklinik und entführt Isaac, um mit seinem Sohn eine Spritzdurch quer durchs Land zu machen. Auf der Rückbank der Ente namens Titine sitzt neben dem Geist des toten Onkels auch dessen Katze. Beide philosophieren über das Leben, erteilen Ratschläge und halten sich mit Kommentaren nicht zurück. Verfolgt werden sie nicht nur von Erics Exfrau, sondern auch von einem Gendarmen mit einem todsicheren Riecher für Verbrecher und für die besten Champignons in der Umgebung. Aber das gerät in den Hintergrund. Wichtig(er) sind die kleinen Wunder: Eric und Issac begegnen einer junge Frau und lernen deren vorwitzigen Schmetterling kennen. Und der immerzu schweigende Autist Isaac fängt an zu lachen ... 

Literatur, die das Herz wilde Freudensalto machen lässt - einen besseren und schöneren Zeitvertreib als mit den Büchern von Manu Causse gibt es einfach nicht. "Die grüne Ente" macht Schluss mit jeglicher Langeweile und außerdem mit der größten Laus auf der Leber. Ab der ersten Seite ist es vorbei mit so etwas wie schlechter Laune. Während der Lektüre strahlt man mit der Sonne um die Wette und kriegt ganz feuchte Augen. Der Autor sorgt für Unterhaltung von der besonders amüsanten und auch emotionalen Sorte. Man weiß gar nicht, ob man lachen oder weinen soll. Causse kann schreiben, so poetisch wie nur die wenigsten seiner Zunft. Er sorgt für ein Lesevergnügen, das man so schnell nicht mehr vergessen wird. Seine Geschichten verändern sogar Leben! 

In den Romanen von Manu Causse stecken jede Menge französischer Charme, Humor und noch mehr Gefühl(e). Diese bedeuten Erzählkunst auf höchstem Niveau. "Die grüne Ente" bringt einen zum Lächeln und zum Weinen. Es dauert nur wenige Sätze, und man fühlt sich ganz schwindelig ob so viel Leseglücks zwischen zwei Buchdeckeln. Und hat sich Hals über Kopf in die Story verliebt. 

Susann Fleischer
26.06.2017

 
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Das Buch:

Manu Causse:
Die grüne Ente. Aus dem Französischen von Alexandra Baisch

Bild: Buchcover Manu Causse, Die grüne Ente

München: Droemer Verlag 2017
304 S., € 14,99
ISBN: 978-3-426-30588-1

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