Romane

Ein großer Roman über Liebe, Freundschaft, Mut und Verlust in Zeiten des Krieges

Europa, Herbst 1939: Adolf Hitlers Truppen marschieren in Polen ein. Zwei Tage später erklärt Großbritannien Deutschland den Krieg. Auch Mary North will ihren Beitrag leisten. Sie ist jung, hübsch und aus guter Familie. In ihrem ganzen Leben musste sie noch nichts Schwereres heben als ein Cocktailglas. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldet sie sich impulsiv und voller Enthusiasmus in London zur Truppenunterstützung. Sie wird allerdings ganz unheroisch nur als Hilfslehrerin an einer Schule eingesetzt. Dabei lernt sie Tom kennen, der bei der Schulbehörde arbeitet, und verliebt sich in ihn, obwohl er nicht standesgemäß ist. Die beiden verloben sich, aber ihren Heiratsplänen begegnen größere Hindernisse als nur den Widerstand von Marys Familie.

Dann kommt eines Tages Toms Freund Alistair, der sich freiwillig gemeldet hat, auf Heimaturlaub, und sein Zusammentreffen mit Mary löst in ihnen beiden heftige, nie gekannte Gefühle aus. Doch sie werden einander so bald nicht wiedersehen. Briefe sind ihre einzige Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben. Und bald überschattet das Drama des Krieges alles andere. Mary und Alistair sehen sich Erfahrungen ausgesetzt, die in ihrem Grauen fast unwirklich erscheinen. Wie lange werden sie noch aneinander Halt finden können? Beide haben schwierige Kämpfe auszufechten: Alistair an der Front, Mary als Lehrerin. Sie unterrichtet fast ausschließlich Kinder mit Behinderungen oder anderen Eigenschaften, die sie aus der "normalen" Gesellschaft ausgrenzen.

Erstaunlicherweise merkt Mary bald, dass ihr das Unterrichten wirklich liegt und sie "ihren" Kindern außer lesen, schreiben und rechnen noch viel mehr beibringen und auch von ihnen lernen kann. Doch einer der vielen Bombenangriffe auf London droht alles zunichte zu machen. Der Krieg lässt Mary, Tom und Alistair nicht das Leben führen, das sie eigentlich geplant hatten. Die nächsten Jahre sind geprägt von zahlreichen Entbehrungen. Denn der Krieg ist unnachgiebig und grausam, gemischt mit den vorherrschenden anderen Problemen der Zeit, wie Rassismus. Mary muss für ihr (Liebes-)Glück kämpfen. Derweil fallen über der Themsestadt die Bomben und viele Londoner liegen unter eingestürzten Häuser begraben ...

Unterhaltung, die den Leser die Welt um sich herum vollkommen vergessen lässt - die Geschichten von Chris Cleave nehmen einen über viele, viele Stunden und Tage lang restlos gefangen. Während der Lektüre von "Die Liebe in diesen Zeiten" haut es einen nicht nur ein-, zwei- oder dreimal, sondern gleich mehrere Male hintereinander um. Der englische Autor sorgt für ein Leseerlebnis auf höchstem Niveau. Er beherrscht das Schreibhandwerk so gut wie ein Carlos Ruiz Zafón. Die Bücher aus Cleaves Feder sind so wunderbar anders als die meisten anderen. Denn diese zeugen von ganz großer Erzählkunst. Es dauert nur wenige Sätze, und die Handlung schlägt einen unweigerlich in den Bann. Einfach niemand kann sich der Sogwirkung von Cleaves Worten entziehen.

Chris Cleaves Romane sind wie eine Verführung. Innerhalb weniger Seiten erliegt man diesen mit allen Sinnen. "Die Liebe in diesen Zeiten" versetzt uns in einen Leserausch ohnegleichen. Was man hier in die Hände kriegt, bedeutet Literatur, die alles andere problemlos in den Schatten zu stellen vermag. Nur die wenigsten Autoren schreiben so genial, so eindringlich, so berührend schön wie Cleave. Er ist ein Meister seines Fachs, ohne jeden Zweifel einer der besten unter Großbritanniens Schriftstellern.

Susann Fleischer
29.05.2017

 
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Das Buch:

Chris Cleave:
Die Liebe in diesen Zeiten. Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg

Bild: Buchcover Chris Cleave, Die Liebe in diesen Zeiten

München: dtv 2017
496 S., € 16,90
ISBN: 978-3-423-26140-1

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