Krimis & Thriller

Grusel

Eine grausige Szene eröffnet «Mit jedem Schlag der Stunde» den neuen Roman des amerikanischen Erfolgsautors David Baldacci. Ein Mann schleift eine Leiche durch den Wald und drapiert diese dann so, dass ein Detail besonders ins Auge sticht: Als persönliches Kennzeichen hinterlässt er eine Armbanduhr, die er auf ein Uhr stellt. Außerdem fügt er ein Merkmal hinzu, die diesen Mord als Kopie der Taten eines früheren Serienmörders kennzeichnet.

Schon bald kommen weitere, scheinbar völlig zufällig ausgewählte Mordopfer hinzu. Bei jedem Mord wird jeweils ein anderer Serienmörder imitiert, und jedes Opfer trägt eine Armbanduhr, deren Zeiger nicht die Uhrzeit anzeigen, sondern die Anzahl der Toten. Noch verwirrender wird es, als ein weiterer Mörder ins Spiel kommt, der den Nachahmer der Serienmörder nachahmt.

Die Aufklärung dieser verwirrende Ansammlung von Untaten überträgt David Baldacci zwei ehemaligen Geheimdienstagenten, die sich in einer Kleinstadt als Privatdetektive niedergelassen haben. Die aus ihrem früheren Beruf stammenden außergewöhnlichen Fähigkeiten brauchen die beiden, um die mannigfaltigen Abgründe aufzudecken, die der Verbrechensserie zu Grunde liegt. Vertuschte Morde, Drogenhandel, Einbrüche und vielfache menschliche Grausamkeiten und Abartigkeiten verbergen sich hinter der Fassade der scheinbar friedlichen Kleinstadt.

Zehn Menschen lässt Baldacci zu Tode kommen, und mitunter scheint sogar der Autor den Überblick darüber zu verlieren, wer alles getötet wurde, von wem und warum. Allmählich löst sich jedoch das Rätsel, denn auch wenn die Zahl der vorgestellten Figuren äußerst und unnötig hoch ist, so ist jedoch bald klar, wer die meisten Morde begangen hat. Alle anderen Verdächtigen sind entweder eindeutig unschuldig oder tot.

So zieht sich «Mit jedem Schlag der Stunde» arg in die Länge. Falsche Fährten und äußerst spannende, wenn auch wenig glaubhafte Verfolgungsjagden verstärken den Eindruck, dass weniger diesmal mehr gewesen wäre. Statt der 570 Seiten hätten 400 auch gereicht, um die Geschichte des skrupellosen Serienmörders und seiner Motive zu erzählen. Und die Geduld der Leser wäre weniger strapaziert worden.

David Baldacci schreibt gegen ein schweres Erbe an. Sein erster Roman «Der Präsident» war 1996 ein Überraschungserfolg, den Clint Eastwood erfolgreich verfilmte. Auch der Nachfolgeroman «Total Control» konnte viele Leser überzeugen. Diesen Erfolgen schreibt Baldacci seither hinterher. Auch «Mit jedem Schlag der Stunde» ist nicht der erhoffte große Wurf. Zu konstruiert ist der Roman, zu überfrachtet mit Klischees, Unwahrscheinlichkeiten und Absonderlichem um mehr zu sein als durchschnittliche Krimikost.

Axel Knönagel (dpa)
03.03.2006

 
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Das Buch:

David Baldacci:
Mit jedem Schlag der Stunde

Bild: Buchcover David Baldacci, Mit jedem Schlag der Stunde

Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 2006
576 S., € 19,90
ISBN: 3-7857-2201-X

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