Krimis & Thriller

Im Banne der Weltformel

Ein zur?ckgezogen in Bayern lebender ehemaliger Gutsverwalter wird kaltbl?tig hingerichtet. Dieser Mord rei?t seinen Nachfolger auf Schloss Ottenrain, den Tagtr?umer Tino Senoner, aus der Beschaulichkeit seines Lebens. Als dann auch noch seine Tante auf einem abgelegenen Alpenhof auf eine ?hnliche Art und Weise aus dem Leben bef?rdert wird, ist Tino klar, dass die beiden Morde im Zusammenhang stehen m?ssen. Welches Geheimnis haben sein Vorg?nger und Ziehvater sowie seine Tante mit ins Grab genommen?

Der M?nchener Autor Max Bronski hat in der Vergangenheit durch zweierlei f?r Schlagzeilen gesorgt. Da sind zum einen seine erfolgreichen "Gossec"-Romane mit einem detektivischen M?nchner Antiquit?tenh?ndler zu nennen, zum anderen ist es die Suche nach der wahren Identit?t Bronskis, die in der Literaturszene hei? diskutiert wird. Man vermutet hinter dem Pseudonym "Max Bronski" den M?nchner Schauspieler Michael Fitz, der einem breiten Publikum als ehemaliger Sidekick von Batic und Leitmayr im "Tatort" bekannt sein d?rfte. Doch nichts Genaues wei? man nicht und auch beim herausgebenden Kunstmann Verlag schweigt man sich bewusst und konsequent aus.

Doch unabh?ngig von dieser naturgem?? den Menschen bewegenden Identit?tsfrage kommt man nicht umhin, Max Bronski hervorragende Arbeit zu attestieren. Was bereits als Urteil f?r seine eigent?mlichen "Gossec"-Romane galt, l?sst sich auch, jedoch in einer v?llig anderen Konzeption, f?r den vorliegenden Roman konstatieren. Bronski hat eine vielschichtige Geschichte gesponnen, er versteht es als Schriftsteller hervorragend zu unterhalten - und wom?glich das gr??te Kompliment: Er kann auch anders! Was zu Beginn als spannungsgeladener Thriller mit einem starkem Lokalkolorit daherzukommen scheint, entpuppt sich schlie?lich im Laufe von "Der Tod bin ich? als hintergr?ndiger Physikthriller, der einen Zeitraum von f?nfzig Jahren und die Geheimdienste der USA, des Vereinigten K?nigreichs und der ehemaligen Sowjetunion umspannt.

In einem R?ckblick in die F?nfziger und Sechziger Jahre entf?hrt Bronski den Leser in den Wettstreit verschiedener Physiker um die Entdeckung einer Weltformel, die s?mtliche physikalischen Ph?nomene erkl?ren soll, und verschiedener Geheimdienste, die dieses Wissen exklusiv und als erstes f?r ihr eigenes Land nutzbar machen wollen. Mittendrin in diesem Geflecht des Kalten Krieges befindet sich mit Bertold Oftenhain ein junger und hoffnungsfroher Physiker, der sich naiv von verschiedenen Geheimdiensten anwerben l?sst, aber schlussendlich die Ausweglosigkeit seiner Situation erkennen muss, in die ihn diese Abh?ngigkeiten man?vriert haben.

Der begeisterte Leser erh?lt in "Der Tod bin ich" neben spannender und gut durchdachter Unterhaltung zugleich eine Einweisung in die Grundz?ge der Quantenphysik und die darin aufgehenden Gedankenmodelle, die h?chst anspruchsvoll sind und mit der althergebrachten Vorstellung der Physik scheinbar nur schwer in Einklang zu bringen sind. Des Weiteren schwimmt das vorliegende Buch im Fahrwasser des klassischen Agententhrillers im Stile eines John le Carr?. Begeistert vernimmt der Leser die Tricksereien von Amerikanern, Engl?ndern und Russen, die sich in einem st?ndigen Wettlauf um Information und damit um Leben und Tod befinden.

Der vorliegende Roman Bronskis wird einem auch durch seine bemerkenswerte ?u?ere Form in der Erinnerung haften bleiben. Da w?re neben den drei verschiedenen zeitlichen Erz?hlebenen noch die ungew?hnliche und zun?chst sehr gew?hnungsbed?rftige Verwendung der w?rtlichen Rede zu nennen. Statt althergebracht mit Anf?hrungszeichen zu arbeiten, l?sst Bronski seine Akteure mit Spiegelstrichen sprechen, was einen zu Beginn des Buchs auch mal die Orientierung und Zuordnung verlieren l?sst. Der Leser wird dar?ber hinaus lange daran zu knabbern haben, warum Bronski im Hier und Jetzt mit Tino Senoner einen Ich-Erz?hler auf die B?hne hievt, bei den Vorg?ngen im 20. Jahrhundert jedoch die erste Person f?r Bertold Oftenhain reserviert hat.

"Der Tod bin ich" ist ein Vergn?gen f?r Nostalgiker des Kalten Krieges, die einer Prise Physik nicht abgeneigt sind. Doch selbst f?r naturwissenschaftlich unbedarfte Leser bietet dieses Buch einen gro?en Mehrwert, da man sich nach seiner Lekt?re zuk?nftig bei potentiellen Diskussionen um eine Weltformel nicht versch?mt und unwissend abwenden wird, sondern sich interessiert einbringen und fundierte Anmerkungen beisteuern kann.

Christoph Mahnel 
28.01.2013

 
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Das Buch:

Max Bronski: Der Tod bin ich

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Mnchen: Kunstmann Verlag 2013
400 S., 16,95
ISBN: 978-3-88897-778-7

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