Krimis & Thriller

Die Anti-Firma

Der Harvard-Absolvent David Zinc schuftet sechs Tage in der Woche von fr?hmorgens bis sp?tabends in einer renommierten Chicagoer Gro?kanzlei, um deren Profit sowie den der Partner zu maximieren. Sein Privatleben leidet dementsprechend unter diesem immensen beruflichen Druck, so dass er eines Tages in einer Bar - dem Alkohol sei Dank - die Entscheidung trifft, die Rei?leine zu ziehen. David heuert bei "Finley & Figg" an, dem kompletten Gegenentwurf seines vorherigen Arbeitgebers: eine Zweimann-Klitsche in einer der heruntergekommensten Gegenden von Chicago, schlechte Bezahlung, zwei chaotische Chefs und Auftr?ge, die die Kanzlei mehr schlecht als recht ?ber Wasser halten. Doch dann kommt der Moment, auf den "Finley & Figg" sowie David gewartet haben. Doch sind die drei ?berhaupt in der Lage, die gro?e Aufgabe zu stemmen?

John Grisham war bis in die Achtziger Jahre hinein selbst als Strafverteidiger in Mississippi erfolgreich, bevor er parallel dazu mit dem Schreiben seines Deb?tromans "Die Jury" eine Karriere als Schriftsteller in die Wege geleitet hatte. Der Erfolg blieb zun?chst noch aus, doch ?nderte sich dies mit seinem zweiten Roman "Die Firma" schlagartig. Das Buch verkaufte sich pr?chtig, die Verfilmung mit Tom Cruise in der Hauptrolle ist im kollektiven Ged?chtnis der Filmgeschichte verankert. Ein ?bergl?cklicher Grisham konnte daraufhin seinen bisherigen Beruf als Jurist an den Nagel h?ngen und sich fortan ganz der Schriftstellerei widmen.

David Zincs erste Karriereschritte erinnern stark an die des Mitch McDeere, den jungen Durchstarter in Grishams Erfolgsroman "Die Firma". Doch genauso, wie sich Zincs Karriere erheblich moderater gestaltet, nimmt auch "Verteidigung" anschlie?end in deutlich ruhigeren Gew?ssern als "Die Firma" seine Fahrt auf. Grisham-erprobte Leser werden sich bei dem vorliegenden Roman eher an Werke im Stile von "Der Regenmacher" erinnert f?hlen, wo der junge Rudy Baylor in der Eingangshalle von Krankenh?usern auf die Einlieferung von Schwerverletzten wartet, um diese als Klienten zu gewinnen. ?hnlichkeiten zum Gesch?ftsmodell von "Finley & Figg" in diesem Buch sind dabei nicht von der Hand zu weisen.

Der Grisham der fr?hen Neunziger Jahre war auf Rasanz und Action gestimmt. Dabei hat er sich durch Werke wie "Der Klient" oder "Die Akte" einen Namen als DER Justiz-Schriftsteller schlechthin geschaffen. Obgleich es ihm in den vergangenen zwei Jahrzehnten noch jedes Jahr gelungen ist, einen neuen Roman zu ver?ffentlichen, hat sich trotz unver?nderter Produktionstaktung eine stilistische und inhaltliche Ver?nderung deutlich bemerkbar gemacht. In den neueren Werken des ehemaligen Anwalts scheinen leisere T?ne die Oberhand gewonnen zu haben. Vielleicht tr?gt eine gewisse Altersmilde Schuld daran, dass Grisham liebevolle Charaktere entwickelt sowie verst?rkt beobachtet und beschreibt, anstatt maximale Spannung erzeugen zu wollen. Schlie?lich ist "Verteidigung" bereits sein 20. Roman. Da ist man als Autor gut beraten, ein wenig Wandlungsf?higkeit an den Tag zu legen und sich nicht best?ndig im gleichen Fahrwasser zu bewegen.

Nichtsdestotrotz sind auch in "Verteidigung" Konstanten in Grishams Werken zu beobachten: Seit jeher schildert Grisham die Welt der Advokaten und Anw?lte h?chst glaubw?rdig, weshalb sein fr?heres Leben als Jurist letztendlich essentiell f?r ihn und seinen Erfolg als Schriftsteller war. Eines ist bei Grisham auch stets gesetzt, n?mlich dass trotz aller Fallstricke auf der Strecke der Gute am Ende siegen wird. Obgleich "Verteidigung" sich zu Beginn ein wenig schleppend dahinzieht und erst ab der Mitte des Buchs Fahrt aufnimmt, sorgt der Roman der dank der liebevollen Beschreibungen nicht ganz perfekter Charaktere f?r Begeisterung beim Leser. Dabei empfiehlt sich, ein gewisses Faible f?r den American Way of Life mitzubringen, da man dem amerikanischen Lebensgef?hl an vielen Ecken und Enden begegnet.

Christoph Mahnel
01.10.2012

 
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Das Buch:

John Grisham: Verteidigung. Aus dem Amerikanischen von Bea Reiter und Imke Walsh-Araya

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Mnchen: Heyne Verlag 2012
464 S., 22,99
ISBN: 978-3-453-26791-6

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