Krimis & Thriller

Die Sachsenhäuser Erfolgsgeschichte

Der Sachsenhäuser Privatier Simon Schweitzer hat es schwer im Leben: Anstatt mit Freunden in seiner Stammkneipe "Weinfaß" einen netten Abend verleben zu dürfen oder sich zu Hause genießerisch einen Joint einzuverleiben, hat ihn seine langjährige Freundin Maria von der Heide zu einem gemeinsamen Abendessen bei Kuno Fornet, einem hohen Tier bei der Teutonischen Staatsbank, verdonnert. Maria erhofft sich nämlich, in dem Banker einen Förderer für ihre Kunstwerke zu finden und verlangt dabei ihrem Lebensgefährten einiges ab. Denn kurz nachdem Schweitzer und Maria das Abendessen am Sachsenhäuser Berg erfolgreich überstanden haben, ereilt sie die Nachricht, dass Fornets Sohn Gil entführt worden ist. Und wer käme für eine erfolgreiche Suche nach dem verlorenen Sohn besser in Frage als die Polizei? Natürlich Sachsenhausens Privatdetektiv Nummer Eins: Simon Schweitzer höchstpersönlich.

Der ehemalige Frankfurter Taxifahrer Frank Demant fügt der Erfolgsgeschichte seines eigenen Röschen Verlags und seiner Serie um den liebenswerten Simon Schweitzer ein weiteres Kapitel hinzu: "Goethe war´s nicht" ist bereits die neunte Sachsenhäuser Kriminalepisode rund um den Lebenskünstler aus dem südlichen Frankfurter Stadtteil. Dabei legt der Autor seit neuestem Wert darauf, dass das Äußere seiner Bücher genauso wenig uniform daherkommt wie der Protagonist selbst: Bereits das letzte Buch legte das matte Schwarz aller bisherigen Bücher ab und war in einem aggressiven Rot erschienen, das ähnlich wie das helle Türkisblau des vorliegenden Werkes einen visuellen Blickfang im heimischen Bücherregal darstellt.

Simon Schweitzer ist zunächst mit der hereinbrechenden Plötzlichkeit seines neuesten Auftrags, die Entführer des Bankierssohnes dingfest zu machen, gelinde gesagt ein wenig überfordert. Doch wäre er nicht Sachsenhausens erfolgreichster Privatdetektiv, wenn er nicht auch dafür eine Lösung parat hätte. Er kontaktiert seinen Trinkkumpanen Schmidt-Schmitt, der als Oberkommissar von der Frankfurter Kripo quasi vom Fach ist. Später schalten die beiden ob der horrenden Lösegeldforderungen und der Tatsache, dass eine weitere Person entführt worden ist, auch noch das BKA ein, doch sind es Schweitzer und Schmidt-Schmitt, die weiterhin die Fäden zusammenhalten.

Im Sommer 2003 erschien einst mit "Simon Schweitzer - immer horche, immer gugge" Frank Demants erste Sachsenhäuser Kriminalepisode. Neun Jahre später hat sich diese Serie über einen Geheimtipp unter den lokalpatriotischen Kriminalromanen hinaus zu einer echten Erfolgsstory entwickelt. Demants Schreibstil mit dem höchst unterhaltsamen und permanent amüsanten Ton ist das Markenzeichen der kleinen und feinen Taschenbücher, auf die nach Erscheinen des neuesten Falls mittlerweile auch über die Grenzen Frankfurts hinaus stets ein großer Run einsetzt.

Bei Demant lohnt es sich auch den Nebensatz zu lesen, denn oftmals versteckt er seinen Wortwitz oder die Situationskomik genau dort und erheitert den Leser damit quasi "en passant". Die stets um die 170 Seiten umfassenden Geschichten sind zwar schnell gelesen, doch entschleunigt der geneigte Leser und Kenner der Romane von Frank Demant sein Leseverhalten, damit ihm bewusst keine der Feinheiten entgeht. Auch die den Leser von Beginn an beschäftigende Frage, warum der neueste Fall denn mit "Goethe war´s nicht" überschrieben ist, wird im Laufe des Buches eher beiläufig beantwortet. Dass bei Simon Schweitzer am Ende des Tages ein blaues Dixi-Klo für die Lösung des Falles herhalten muss, überrascht den Kenner der Serie zwar nicht mehr, doch ringt es ihm ein anerkennendes Lächeln ab und bestätigt ihn wiederum in der Verbundenheit und Treue zu diesem außergewöhnlichen Helden und seinem geistigen Vater.

"Goethe war´s nicht" überzeugt mit einer runden Handlung, die von Anfang an auf den Punkt kommt. Dass es dieses Mal kaum zu Exzessen im "Weinfaß" oder anderen einschlägigen Sachsenhäuser Kneipen kommt, liegt in der Natur des Falles, da Simon Schweitzer durch die Einladung zum Essen jäh aus seinen Tagträumen gerissen wird und fortan in der Kommandoeinsatzzentrale im Anton-Burger-Weg seinen Mann stehen muss. Ob Frank Demant die erstmals eingeführte Gliederung in Kapitel bewusst gewählt hat, um die strukturierte Vorgehensweise Simon Schweitzers auch äußerlich zu unterlegen, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Allerdings wären ihm Abertausende von treuen Lesern sehr schlecht gesonnen, wenn er mit weiteren Geschichten aus Sachsenhausen hinter dem Berg halten würde. Bitte immer mehr davon, Herr Demant!

Christoph Mahnel
23.07.2012

 
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Das Buch:

Frank Demant:
Goethe war's nicht

Bild: Buchcover Frank Demant, Goethe wars nicht

Frankfurt am Main: Röschen Verlag 2012
180 S., € 9,60
ISBN: 978-3-940908-14-8

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