Krimis & Thriller

Cronins "Der Übergang": Apokalyptischer Vampirthriller

Justin Cronins Vampirroman "Der Übergang" hat wenig gemeinsam mit der "Twilight"-Romantik. Sein Buch ist Fantasy, Technothriller und Horror mit einer Prise Philosophie. Hollywood sicherte sich bereits die Filmrechte. Cronin schreibt bereits an der Fortsetzung.

Justin Cronin hatte alle Voraussetzungen für eine Karriere in der gehobenen US-Literatur: Harvard-Studium, Diplom vom renommierten Iowa-Schriftstellerseminar, zwei anspruchsvolle Romane, der PEN/Hemingway Award und andere Preise. Doch der Kreis seiner Leser war begrenzt. Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Cronins jüngster Roman "Der Übergang" scheint zum Weltbestseller zu werden. Der tausendseitige Schmöker, eine Mischung aus Fantasy, Technothriller und klassischem Horror, wird schon in 26 Ländern verkauft Er machte den 48-jährigen Autor quasi über Nacht zum Multimillionär.

"Bisher stand mein Schreibtisch in der Garage, jetzt habe ich ein Arbeitszimmer im Haus", triumphierte der Familienvater im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dort sitzt Cronin derzeit über der Fortsetzung. Sie soll voraussichtlich noch im nächsten Jahr unter dem Originaltitel "The Twelve" herauskommen. Den letzten Band, "The City of Mirrors", hat er für spätestes 2014 zugesagt. Die Trilogie brachte Cronin nach Angaben von US-Medien eine Vorauszahlung von 3,75 Millionen Dollar (knapp 2,7 Millionen Euro) ein. Weitere 1,75 Millionen Dollar soll Regisseur Ridley Scott ("Blade Runner", "Thelma & Louise") für die Filmrechte gezahlt haben.

Auf die Frage nach dem Geldregen hält sich der Schriftsteller bedeckt. Nur eins steht fest: "Wir brauchen uns um die Ausbildung der Kinder nicht mehr zu sorgen", sagt Cronin, und man hört ihm die Erleichterung an. Seine Frau Leslie hat ihren Job aufgeben können. Er selbst ist von seiner Anstellung als Literaturprofessor an der Rice Universität in Houston (Texas) beurlaubt und schreibt jetzt hauptberuflich.

In den beiden Folgeromanen spinnt Cronin den Handlungsfaden nicht linear weiter, wie er verrät. Vielmehr kehrt er zum Ausgangspunkt im Jahr 2018 zurück und füllt seine Story mit neuen Wendungen, Aspekten und Hintergründen. "Es gibt noch so viel aufzulösen", sagt er.

In "Der Übergang" lebt Amerika in ständiger Terrorangst, sind Attacken auf Einkaufszentren und Bahnstationen an der Tagesordnung. In ihrer Not greift die US-Regierung auf ein Virus zurück, das bolivianischen Fledermäusen Superkräfte verleiht. Doch bevor das Militär seine Soldaten impft, wird das Virus getestet - unter anderen an 12 Todeskandidaten, die wegen Mordes und Vergewaltigung auf ihre Hinrichtung warten.

Das Experiment geht schief. Die nunmehr unsterblichen Gewaltverbrecher verwandeln sich zu Vampiren, "Virals", wie Cronin sie nennt, und fallen über die Menschheit her. Am Ende bleibt nur ein Häufchen Nicht-Infizierter - und die kleine Amy. Mit diesem Mädchen schenkt Cronin dem Leser einen Hoffnungsfunken inmitten des apokalyptischen Szenarios. Amy ist zwar unsterblich, aber sie hat wie durch ein Wunder das Gute des Menschen in sich bewahrt.

Kritiker in den USA rühmen "The Passage", so der Originaltitel, als eine Kreuzung aus Michael Crichton, Stephen King und Cormac McCarthy. Er selbst meint, von Charles Dickens inspiriert gewesen zu sein. Cronin schreibt kraftvoll und intelligent. Sein Buch hat philosophischen Tiefgang. Zugegeben, zeitweise ist es langatmig. Aber seine Geschichte lebt, reißt mit - und macht süchtig nach der Fortsetzung.

Gisela Ostwald, dpa
22.11.2010

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Justin Cronin:
Der Übergang. Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt

Bild: Buchcover Justin Cronin, Der Übergang

München: Goldmann Verlag 2010
1024 S., € 22,95
ISBN 978-3-442-31170-5

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.