Krimis & Thriller

... denn das Böse ist so nah!

Seit drei Jahren beschäftigt das Verschwinden eines kleinen Mädchens die Einwohner eines Dörfchens im Taunus. Doch bisher konnte trotz intensiver Untersuchungen seitens der Polizei kein Täter dingfest gemacht werden, da keine verwertbaren Spuren gefunden wurden. Davon weiß die geschiedene Maren freilich nichts, die zusammen mit ihrer Tochter Julia dort im schmucken Einfamilienhaus wohnt. Doch dann bemerkt die alleinerziehende Mutter, dass irgendetwas nicht stimmt, und die tragische Vergangenheit droht die ländliche Idylle einzuholen.

Maren Wiegand hat es nicht leicht: Von ihrem Mann Rolf hat sie sich scheiden lassen, weil dieser sie mit einer Jüngeren betrog, und mit der gemeinsamen Tochter, die bei ihr geblieben ist, hat sie so manchen Streit auszufechten, weil die vorlaute Zweitklässlerin sich nicht unbedingt altersgemäß verhält. Außerdem muss sie aufgrund ihrer Tätigkeit als Lehrerin auf die Dienste einer greisen Tagesmutter zurückgreifen und hat immer wieder Stress mit ihrem Ex, der wegen Julia einfach nicht aus ihrem Leben verschwindet. Dann aber trifft sie beim Joggen einen Mann, der ihr eventuell das geben könnte, was ihr am meisten fehlt. Doch Thorsten Steiner scheint etwas vor ihr zu verbergen.

Auch die kleine Julia macht eine für sie verlockende Männerbekanntschaft, die ihrem Drang nach Freiheit und Selbständigkeit sehr dienlich ist. Ihr neuer, geheimer Freund ist jedoch schon seit geraumer Zeit im Visier von Kommissar Lars Stephan, der in ihm, obwohl er es nicht beweisen kann, den Mörder der drei Jahre zuvor verschwundenen Melanie Schwarz sieht. Dass er damit richtig liegt, stört den Täter immer weniger, da er sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen in absoluter Sicherheit wähnt. Als Julia dann eines Tages nicht von der Schule nach Hause kommt, scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen des Kriminalisten zu bewahrheiten, und so beginnt für Maren, die immer mehr über das Geheimnis ihres neuen Bekannten erfährt, die schlimmste Zeit ihres Lebens.

Doris Bezler webt aus ihren Handlungssträngen ein sehr feinsinniges und überaus engmaschiges Spannungsnetz, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nicht einmal das verträumte Dörfchen im Hintertaunus, in dem es zugeht wie überall auf dem Land, ist vor dem Bösen sicher. Dabei versteht es die Autorin die Energie für ihr Krimidebüt aus der Psyche der Charaktere zu ziehen, welche die unterschiedlichsten Probleme mit sich herumtragen und erbarmungslos mit ihren daraus resultierenden Ängsten konfrontiert werden. Geschickt legt Doris Bezler so Köder für den Leser aus, die ihm das Gefühl geben, die komplexen Zusammenhänge rasch durchschaut zu haben, ehe er durch überraschende Wendungen wieder auf neue Fährten geführt wird, welche die subtil heraufbeschworene Beklommenheit beim Lesen von Seite zu Seite steigern.     

Christian Götz
09.08.2010

 
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Das Buch:

Doris Bezler:
Schlaf still, mein Mädchen

Bild: Buchcover Doris Bezler, Schlaf still, mein Mädchen

München: Knaur Taschenbuch Verlag 2010
428 S., € 8,95
ISBN: 978-3-426-50209-9

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