Krimis & Thriller

Lesen und lesen lassen

Eigentlich steht der junge Kopenhagener Strafverteidiger Jon Campelli am Beginn einer glänzenden Juristenkarriere. Er ist ein gefragter Anwalt und aufgrund seiner Erfolge im Gerichtssaal wird ihm ein bedeutender Fall übertragen, der ihm eine Teilhaberschaft an einer großen Kanzlei in Aussicht stellt. Doch dann kommt alles anders: Sein Vater, mit dem er sich vor langer Zeit überworfen hat, stirbt auf mysteriöse Weise in seinem Buchladen "Libri di Luca", der so manches Geheimnis birgt. So gelangt der Protagonist von Mikkel Birkegaards Debütroman unversehens in "Die Bibliothek der Schatten".

Luca Campellis Mitarbeiter Iversen klärt Jon schließlich über dessen mit dem Antiquariat verbundenen Erbe auf und gibt ihm Einblicke in die Bibliophile Gesellschaft, in der sich seit Jahrhunderten sogenannte Lettori versammeln. Diese besitzen als Sender oder Empfänger die Macht, Zuhörer oder Lesende gedanklich zu beeinflussen. Seit über zwanzig Jahren liegen die beiden Seiten jedoch im Streit, sodass die Gemeinschaft der Lettori aus zwei mehr oder weniger verfeindeten Lagern besteht, deren Wiedervereinigung das große Ziel von Jons Vater Luca war. Ein hehres Vorhaben, für das er wohl nun sein Leben lassen musste.

Der Vorsitzende der Gesellschaft der Lettori bittet nun Jon als neutralen Außenstehenden um eine Untersuchung des Vorfalls, für den sich Sender und Empfänger gegenseitig die Schuld geben. Unterstützt wird er dabei von der attraktiven Empfängerin Katherina, die trotz ihrer Legasthenie im Laden seines Vaters arbeitet. Doch je weiter sich die beiden vorwagen, desto brenzliger wird die Situation: Neben einem Brandanschlag auf den Buchladen verlieren der Vorsitzende der Gesellschaft und ein weiterer Lettore ihr Leben. Außerdem sorgt Jons unbequemer Mandant Remer, der ein ausgesprochenes Interesse am Erwerb des "Libri di Luca" hat, dafür, dass Jon seinen Job als Anwalt verliert.

Letztlich entdeckt auch Jon Campelli, welche ungeahnten Fähigkeiten, die er von seinem Vater geerbt haben muss, in ihm schlummern. Auf diese Begabungen hat es allerdings auch die Schattenorganisation abgesehen, die ihre Lettore-Fertigkeiten zum Zwecke krimineller Machenschaften einsetzt. So sieht sich Jon einem mächtigen Feind gegenüber, der ihn mit allen Mitteln für die Verwirklichung seiner dunklen Absichten missbrauchen will. In der berühmten Bibliotheca Alexandrina in Ägypten kommt es schließlich zu einem packenden Showdown.

Mikkel Birkegaards Debüt ist ein mitreißender und spannender Roman über die Macht des Lesens und ein absolutes Muss für alle, die sich gerne in die Lektüre guter Bücher vertiefen. Auch ohne die Beeinflussung durch einen Lettore mit Empfängerfähigkeiten muss man konstatieren, dass es sich bei der "Bibliothek der Schatten" um ein ganz besonderes Buch handelt, das den Leser zum steten Weiterlesen und Umblättern zwingt und jeden, der einmal mit dem Lesen angefangen hat, in seine ganz eigene Welt hineinzieht, aus der es kein Entkommen gibt.

Christian Götz
03.05.2010

 
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Das Buch:

Mikkel Birkegaard:
Die Bibliothek der Schatten. Aus dem Dänischen von Günther Frauenlob und Maike Dörries

Bild: Buchcover Mikkel Birkegaard, Die Bibliothek der Schatten

München: Page & Turner Verlag 2010
512 S., € 19,95
ISBN: 978-3-442-20362-8

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