Krimis & Thriller

"So wahr uns Gott helfe": Packender Gerichtskrimi von Connelly

Strafverteidiger Mickey Haller bekommt vom Obersten Gericht in Los Angeles überraschend einen hochkarätigen Fall übertragen, von dessen Auswirkungen und Gefahren für ihn selbst er zunächst nicht die blasseste Ahnung hat. Es geht um die Verteidigung des Filmmoguls Walter Elliot, den die Staatsanwaltschaft angeklagt hat, seine junge Ehefrau und deren Geliebten in seinem Strandhaus in Malibu ermordet zu haben. Das Mandat hat Haller von seinem Kollegen Jerry Vincent übernommen, der wenig zuvor kaltblütig ermordet worden war.

In seinem neuen Justizthriller "So wahr uns Gott helfe" führt der US-Erfolgsautor Michael Connelly in die Geheimnisse des amerikanischen Gerichtswesens ein, in dem Geschworene die Hauptrolle bei einer Verurteilung spielen. Michael Connelly zieht gleich zu Beginn des Krimis einen weiten Spannungsbogen, an dem die Leser festgehalten werden bis zur letzten Seite.

Denn schon bald wird klar, dass der Fall Elliot für Haller lebensgefährlich wird. Da eine von Vincents Akten verschwunden ist, ist der Anwalt, der seine Fälle auf dem Rücksitz seines Superschlittens, eines Lincoln, zu klären pflegt, sicher, dass der Mörder unter seinen Klienten zu finden ist. Der Hollywood-Krösus Elliot beteuert unterdessen seine Unschuld. Und Haller findet im Rahmen seiner Ermittlungen nicht wenige Hinweise, die Elliot entlasten. Aber so ganz ist der Anwalt von der Unschuld seines Mandanten nicht überzeugt. Gleichwohl bleibt der Verdächtige dank einer Kaution von zwanzig Millionen Dollar auf freiem Fuß - der höchste Betrag, der in der Geschichte von Los Angeles jemals von einem Tatverdächtigen als Sicherheit gefordert wurde.

Seinem Verteidiger kommt auch noch der Detective Harry Bosch von der Polizei in Los Angelos in die Quere, eine beliebte Figur in Connellys Romanen. Und der hat seine eigenen Vorstellungen über die Hintergründe des schlagzeilenträchtigen Mordes. Mysteriös ist zudem, dass sich das FBI in den Mordfall einmischt. Bosch lässt Haller rund um die Uhr von seinem Mitarbeiterstab bewachen. Er spekuliert auf Hallers Angst, selbst zum Opfer zu werden, und benutzt ihn als Köder. Doch dann nehmen beide gemeinsam die Fährte auf.

Interessant ist vor allem die Figur des Mickey Haller in dem spannenden Krimi. Er hatte sich nicht um den Mordfall Elliot gerissen. Nach einer einjährigen Auszeit wegen Krankheit hatte er es erst einmal langsam angehen wollen. Doch der Fall Elliot schleudert ihn mit Wucht wieder ins Ermittlungsgeschäft zurück. Hilfe bietet da seine Lebenserfahrung, dass ein Prozess "ein wahrer Lügenwettstreit" ist. Haller und seine Ex-Frau als wichtigste Assistentin haben keinen Zweifel: "Alle lügen. Polizisten, Anwälte, Zeugen und selbst die Opfer. Auch der Richter und die Geschworenen wissen das. Sie betreten das Gericht in der sicheren Erwartung, getäuscht zu werden." Also richtet auch Haller seine Strategie darauf aus.

Er beherzigt noch eine andere Weisheit, nämlich die, dass die Aufgabe eines Strafverteidigers vor allem darin besteht, sich in Geduld zu üben und zu warten: auf die richtige Lüge, jene nämlich, die er packen und wie ein glühendes Eisen zu einer scharfen Klinge schmieden kann, um sie dann ohne Gnade zu verwenden und an einem Ort, an dem alle lügen, die Wahrheit zu vertreten.

Richtig Fahrt nehmen die Ermittlungen zum Mordfall in Malibu auf, als Haller entdeckt, dass sein erschossener Kollege Jerry Vincent Bestechungsgelder gezahlt hat. Und als sein Mandant, der angeklagte Film-Mogul Elliot, ihm mitten ins Gesicht sagt: "Die Geschworenen werden mich nie schuldig sprechen, Mickey. Nie." Spätestens da überschlagen sich die Ereignisse und münden schließlich in einem unerwarteten Finale. In seinem neuen Roman erweist sich Connelly einmal mehr als ein Meister der Überraschungseffekte. Das hatte der in Florida lebende Autor unter anderem bereits mit dem Vorgängerbuch "Das zweite Herz" unter Beweis gestellt, das mit Clint Eastwood verfilmt wurde.

Susanna Gilbert-Sättele, dpa
29.03.2010

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Michael Connelly:
So wahr uns Gott helfe. Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb

Bild: Buchcover Michael Connelly, So wahr uns Gott helfe

München: Heyne Verlag 2010
512 S., € 19,95
ISBN: 978-3-453-26636-0

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.