Krimis & Thriller

Der erste Fall für Spürnase Kim, die klügste Sau der Welt

Für Schweine wie Kim und ihre vier Artgenossen könnte das Leben eigentlich gar nicht schöner sein: Bei dem gefeierten Maler Robert Munk bekommen sie alles, was das Schweineherz begehrt. Jeden Tag wird das Fressen pünktlich geliefert und Streicheleinheiten von Dörthe, Munks Lebensgefährtin, werden immer wieder gerne entgegengenommen. Das sehen aber nicht alle so, denn Che, ein Husumer Protestschwein, träumt von der großen Revolution der Schweine und bringt regelmäßig die Kameraden mit seinen Hasstiraden gegen die Menschen und die "schwarzen Wilden" gegen sich auf. Zum Glück behält wenigstens Kim immer den Überblick, denn bald ist es vorbei mit der Ruhe im Schweinestall.

Eines Nachts stürzt Maler Munk schweratmend in den Schweinestall und fällt Kim direkt vor die Beine. Jemand hat ihm von hinten ein Messer in den Rücken gestoßen und mit einem ausgehauchten "Klee" auf den Lippen stirbt Munk. Kim ist so erbost über den ungeheuren Vorfall in "ihrem" Schweinestall, dass sie sogleich die Ermittlungen aufnimmt. Schließlich muss der Täter so schnell wie möglich dingfest gemacht werden, damit die Polizei nicht dauernd die schweinische Idylle stört. Gemeinsam mit Lunke, einem schwarzen Wilden, der angeblich vor nichts und niemandem Angst hat, begibt sich Kim auf Spurensuche. Für sie gibt es nämlich nur einen wahren Schuldigen: Dorfmetzger Kaltmann. Schließlich besitzt er ein ganzes Arsenal an scharfen Messern und hatte schon immer etwas gegen Munk.

Während Kim und Lunke ihre Ermittlungen auf Kaltmann konzentrieren, nimmt die Polizei vorerst Munks Freundin und Muse Dörthe fest. Trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen und unhaltbarer Indizienbeweise gegen die angehende Schauspielerin ist Hauptkommissar Ebersbach der festen Überzeugung, den prekären Mordfall bereits gelöst zu haben. Doch da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn wie sich herausstellen soll, sind sowohl Dörthe als auch Kaltmann unschuldig. Beide haben für die Tatzeit ein wasserdichtes Alibi. Aber so schnell gibt Kim nicht auf: Sie spioniert die Dorfbewohner aus und lauscht ihren Gesprächen. Für so eine kluge Sau wie Kim sollte es doch ein leichtes sein, den wahren Mörder aufzudecken und ein für allemal dingfest zu machen. Doch dann kommt alles ganz anders, denn ein zweiter Mord erschüttert das ländliche Idyll und hinterlässt eine vorerst ratlose Kim. Gut, dass Lunke immer in ihrer Nähe ist und sie auf den richtigen Pfad zurückführt.

Neben Kims Nachforschungen entspinnt sich eine "Liebesgeschichte" zwischen der tierischen Protagonistin und ihrem Freund Lunke. Der schwarze Wilde zeigt der kleinen Sau eine Welt außerhalb des begrenzenden Zauns. Sie reißt aus, um mit Lunke die allertollsten Stunden ihres Schweinelebens zu verleben und später vielleicht sogar ihren Kindern davon berichten zu können. Und vielleicht entspinnt sich aus dieser Liaison sogar mehr, denn mit Che, Brunst und Doktor Pik, den Ebern auf Munks Hof, kann Kim nicht wirklich etwas anfangen. Und solche Gefühle wie für Lunke hat sie auch noch nie gefühlt. Aber zuvor muss erst der Mord an Maler Munk endlich gelöst werden.

Arne Blum begibt sich mit dem Schweinekrimi "Saubande" in die Tradition der Schafkrimis von Leonie Swann und kreiert mit Sau Kim eine ähnliche Kultfigur wie Francis, die "Detektiv-Katze" von Akif Pirinçci. Entgegen der Annahme, dass es sich bei dem vorliegenden Buch um einen Abklatsch à la "Schweinchen Babe" handeln könnte, erwartet hier den Leser ein intelligenter, ungewöhnlicher und charmanter Krimi, der spannende Kurzweile verspricht. Erfreulicherweise lässt Autor Blum Hobby-Detektiven Raum für eigene Rückschlüsse und kriminalistische Überlegungen, die dann von Sau Kim vorsichtig aufgedröselt werden und letztendlich in einem spannenden, clever durchdachten Finale gipfeln. Damit erweist sich "Saubande" als ein wunderbarer Mix aus Spannung und amüsanter Unterhaltung, der in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Aber nicht nur die Handlung lässt den Leser von "Saubande" nicht mehr los, auch Sau Kim schließt man schon auf den ersten Seiten in sein Herz und möchte sie am liebsten zu sich in die eigenen vier Wände holen. Schließlich erkennt man in ihr Verhaltensweisen wieder, die denen der Menschen gar nicht so unähnlich sind. Und in wem von uns schlummert kein Che oder Brunst und eine kleine, neugierige Cecile?

Susann Fleischer
22.03.2010

 
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Das Buch:

Arne Blum:
Saubande. Ein Schweinekrimi

Bild: Buchcover Arne Blum, Saubande. Ein Schweinekrimi

München: Limes Verlag 2010
352 S., € 17,95
ISBN: 978-3-8090-2575-7

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