Krimis & Thriller

Die Auferstehung Simon Brenners

Er ist wieder da. Ex-Polizist und Privatdetektiv Simon Brenner ist zurück. Dabei galt das Thema eigentlich als beendet. Der Brenner-Erzähler war nämlich tot. Mausetot! Doch warum quatscht der jetzt doch weiter? Man müsste ihm nach seinem Tod schon "das Maul extra erschlagen" damit er aufhört zu erzählen, erklärt schon der erste Satz des Buches.

Für alle, die Wolf Haas und seine Brenner-Reihe nicht kennen: In den letzten sechs Krimis um den ehemaligen Polizieinspektor Brenner nahm ein namenloser Erzähler den Leser an die Hand. Ein komischer Ich-Erzähler, der eigentlich keine Rolle in der Handlung spielt, der aber den Brenner in- und auswendig kannte und dann doch so nah am Geschehen dran war, dass er umgebracht werden konnte. Ein lenkender, sich einmischender Erzähler, der herumschwadroniert und -kommentiert, in seiner üblichen Erzähllaune mit schräger Grammatik, der den Leser duzt und die Verben gern auslässt sowie die Spannung durch Einwürfe wie "Jetzt pass auf" etc. steigert. Dieser Erzähler ist nun wiederauferstanden und mit ihm Simon Brenner.

Wolf Haas sei Dank, wir haben ihn wieder, den Brenner, den nicht besonders begabten, den nicht besonders pfiffigen, den nicht besonders smarten Ermittler aus Puntigam bei Graz! Der aber konsequent seine Fälle löst und dabei nichts ungeklärt zurücklässt. Mit über 50, wo man schon langsam an die Rente denken könnte, hat der Brenner endlich einen richtig guten Job gefunden. Noch nie im Leben hat er sich so wohl gefühlt. Als Chauffeur der zweijährigen Helena, die er zwischen ihren wohlhabenden Eltern von Wien nach München und Kitzbühl hin- und herkutschiert, ist er endlich zufrieden mit sich und der Welt. Und die Kleine ist die beste Gesellschaft, die der Brenner sich vorstellen kann, hat er doch das Gefühl, dass niemand ihn so gut versteht wie Helena.

Doch dann passiert, was nicht passieren darf: Ein kurzer ungeplanter Tankstopp auf der Autobahn endet in der Katastrophe. Während er eine Tafel Schokolade für die Kleine aussucht, verschwindet das Kind spurlos aus dem Auto. Natürlich verliert der Brenner daraufhin unverzüglich seinen Fahrer-Job und klemmt sich selbst hinter die Ermittlungen. Geplagt von seinen Schuldgefühlen will er es dann noch mal wissen. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf sieben Tote und eine Jauchegrube, der so manches Geheimnis innewohnt. Auch der liebe Gott hat hier seinen kurzen Gastauftritt, wie der Titel schon vermuten lässt.

Es ist ein fabelhaftes Buch geworden, das Wolf Haas da vorgelegt hat. Seine Stilmittel hat er - wie bei den sechs zuvor erschienenen Brenner-Fällen - beibehalten. Und nichts ist schöner als dem Brenner auf seinen verworrenen Wegen und gedanklichen Ausschweifungen zu folgen und alle paar Zeilen über den Humor des Autors zu stolpern. Der ist zwar pechschwarz, wird aber durch den doppeldeutigen Witz, mit dem er daherkommt, sanft abgefedert. Ein Humor, der vor allem Brenner-Fans zum Lachen bringt. Haas-Neulingen sei allerdings warnend vorangestellt: Was sich der Autor sprachlich traut, ist schon ein starkes Stück und nicht jedermanns Geschmack. Für alle Anderen: "Der Brenner und der liebe Gott" ist ein gewohnt wunderbarer Haas-Krimi mit exakt den kurios-lächerlichen Szenen, wie sie nur dem Brenner widerfahren. Man muss den Brenner und Haas nicht unbedingt lieben, aber man muss sie gelesen haben und man wird es nicht bereuen. Und ob es nun endgültig das letzte Brenner-Buch ist, darauf will sich Wolf Haas natürlich nicht festlegen.

Mareike Palmy
09.11.2009

 
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Das Buch:

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott

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Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 2009
224 S., 18,99
ISBN: 978-3-455-40189-9

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