Krimis & Thriller

Zu Besuch auf der Farm der Leichen

Mit "Leichenblässe" ist dieser Tage der dritte David Hunter-Roman erschienen. David Hunters Schöpfer Simon Beckett, ein in Sheffield lebender, ehemaliger Journalist, hatte in den vergangenen Jahren mit seinen ersten beiden David Hunter-Romanen "Die Chemie des Todes" und "Kalte Asche" zwei Erfolgstitel, die monatelang in sämtlichen Bestsellerlisten ganz weit vorne zu finden waren.

Mit der Figur des David Hunter, eines ehemaligen Allgemeinmediziners, der aufgrund seiner Expertise als forensischer Anthropologe nun zu besonders heiklen Fällen als Berater an Tatorte hinzugezogen wird, führt Beckett den Leser auf das Gebiet der modernen Polizeiarbeit. Das Ermitteln von Täterprofilen durch die Analyse des Tatorts, das sogenannte "Profiling", bildet zusammen mit der von Hunter betriebenen forensischen Anthropologie, bei der anhand der Leiche und ihres Zustandes systematisch kriminelle Handlungen analysiert werden, die beiden Säulen einer erfolgreichen Täterjagd im 21. Jahrhundert.

Zur Story: Nachdem am Ende von "Kalte Asche" David Hunter in seinem Zuhause niedergestochen worden war, steigt "Leichenblässe" einige Monate später danach ein. Nach der langwierigen Gesundung David Hunters hatte dieser seinen Erinnerungen an die schreckliche Tat entfliehen müssen. Da ihn außerdem seine Freundin Jenny in der Zwischenzeit verlassen hatte, suchte er auf Body Farm Zuflucht. Body Farm ist ein 12.000 m² großes und zur University of Tennesse gehörendes Gelände, auf dem unter freiem Himmel wissenschaftliche Studien zu Verwesungsprozessen an Leichen erfolgen können. Weltweit zwar nicht einzigartig, aber doch als die führende Institution ihrer Art bietet sie einem Forensiker wie David Hunter ideale Bedingungen zur Weiterbildung. Dort wird er von seinem ehemaligen Lehrer und dem Direktor von Body Farm, Tom Lieberman, auch bald schon in Ermittlungen zu einem aktuellen Fall hineingezogen. Mehrere Leichen mit unerklärlichen Phänomenen werden in der Abgeschiedenheit der Smoky Mountains gefunden. Hunter und Co. ahnen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, durch welches Martyrium sie gehen müssen, um letztlich an einem Ort des Grauens zum Showdown anzutreten.

Nachdem Simon Beckett in den ersten beiden Büchern seine Leser jeweils mit turbulenten Finals mehrfach an der Nase herumgeführt hat, ist der um diese Erfahrungen reichere Leser im vorliegenden Buch natürlich gewarnt und auf der Hut, als sich ein allzu dringend Tatverdächtiger in der zweiten Hälfte des Buches herauskristallisiert. Ob sich diese Vorsicht als übertrieben oder berechtigt erweist, sei an dieser Stelle allerdings nicht verraten.

Auf dem Gebiet der anglo-amerikanischen Thriller gilt seit geraumer Zeit für den Großteil der Bücher das Motto "Kennt man einen, kennt man alle". Beckett hebt sich aus dieser Masse hervor, indem er höchste Fachkenntnis auf dem Gebiet der Forensik an den Tag legt. Schließlich hatte er in seinem früheren Beruf als Journalist Einblicke in die Polizeiarbeit und für seine David Hunter-Romane sogar selbst auf Body Farm zu Recherchezwecken geweilt. Beckett weiß also genau, wovon er spricht und lässt dies den Leser auch eindrucksvoll merken. Darüber hinaus beherrscht er selbstverständlich auch das elementare Handwerk der "Suspense" und gestattet dem Leser, nur unter größter Überwindung das Buch aus der Hand zu legen. Oftmals benötigen Bücher diesen Genres eine gewisse Anlaufzeit, um die Lawine ins Rollen zu bringen. Beckett allerdings hat den Bogen raus, da auf den gut 400 Seiten wirklich kein Leerlauf vorhanden ist.

Es besteht kein Zweifel, dass auch "Leichenblässe" in den kommenden Wochen und Monaten in den Bestsellerlisten zu finden sein wird. Und dies völlig zu recht!

Christoph Mahnel
26.01.2009

 
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Das Buch:

Simon Beckett:
Leichenblässe. Aus dem Englischen von Andree Hesse

Bild: Buchcover Simon Beckett, Leichenblässe

Reinbek: Wunderlich Verlag 2009
384 S., € 19,90
ISBN: 978-3-8052-0866-6

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