Krimis & Thriller

Ein Spionagethriller auf höchst-literarischem Niveau

Heather Berriman, genannt Bird und im Alter von ca. 50 Jahren, lebt in Birmingham, wo sie für eine allen britischen Geheimdiensten zugeordneten Abteilung arbeitet, die sich um Maulwürfe und Korruption in den Diensten kümmern soll. Ihre Erfolgsbilanz ist beeindruckend. Dummerweise aber nicht für jedermann. Während einer Besprechung erkennt sie, dass sie selbst unter Verdacht geraten ist, und da sie aus langjähriger Erfahrung weiß, wie es läuft, setzt sie sich innerhalb von 30 Sekunden ab und flieht, um die Möglichkeit zu haben, sich von dem Verdacht reinzuwaschen. Keine leichte Aufgabe, selbst für einen Top-Profi wie sie. Sie muss alle Register ihres Könnens (ungewöhnliche Verstecke, erfundene Identitäten) und ihrer Verkleidungskunst ziehen, denn auch ein Killer ist hinter ihr her. Und wer weiß, wer noch alles?

Während man als Leser Birds Flucht durch grandiose Landschaften in Schottland, Norwegen und schließlich Island folgt, erfährt man mehr über sie. Über ihre berufliche Laufbahn bei Armee und Geheimdienst, ihre Beziehung zu ihren Eltern, die geprägt war von Geheimnissen (ihr Vater war ebenfalls beim Geheimdienst), ihre Freundschaft zu Flavia, die mit einem Riesenstreit endete. Bird muss erkennen, dass ihr Privatleben schon länger in Trümmern liegt. Jeder Mensch, die ihr jemals etwas bedeutete, ist tot. Bird kann in dieser Situation von niemandem Hilfe erwarten. Auf ihrer Suche nach Antworten verliert sich Bird immer wieder in ihrer Vergangenheit und zu Momenten, als sie sich glücklich glaubte. Die Jahre beim Geheimdienst haben Birds innere Zerrissenheit verstärkt, sie misstrauisch werden lassen. Offenbar zu Recht! Die Intrige, der sie zum Opfer gefallen ist, ist weit größer, als sie es sich hätte ausmalen können ...

Thrillerkino war nie grandioser, außerdem spannender - was Louise Doughty schreibt, würde selbst so manchem Bestseller-Star dieses Genres den Atem verschlagen. Dass Hilary Mantel und Val McDermid von "Deckname: Bird" begeistert sind, und das auch noch restlos, ist absolut gerechtfertigt. Diese Story gehört zum Nonplusultra im Bücherregal. Das entlockt einem "Wow, wow, wow!" nach dem anderen, während es einen noch auf Seite elf glatt vom Hocker haut. Solch eine Lektüre garantiert einem mehr als einen Herzinfarkt. Und dennoch, trotz aller Gefahr: an ein Weglegen des Buches ist zu keinem Augenblick, nicht einmal zu einem winzig kleinen, auch nur zu denken. Einen weiteren Beweis braucht es kaum für Doughtys schriftstellerisches Ausnahmekönnen. Die Britin ist eine Weltklasse-Autorin, und ihr Talent zum Staunen!

Nervenzerfetzender als die Romane von Louise Doughty kann Thrillerliteratur definitiv nicht sein. Diese sollte man unbedingt lesen; selbst wenn der Puls während der Lektüre auf weit über 180 Schläge pro Minute steigt. "Deckname: Bird" bedeutet mörderischste Unterhaltung, die einen so schnell nicht mehr zum Schlaf kommen lässt. Kaum das vorliegende Buch aufgeschlagen, schon ist es um die Nachtruhe für länger geschehen. Denn dieses fesselt einen vom ersten bis zum letzten Satz über viele, viele Stunden lang.

Susann Fleischer 
21.07.2025

 

Das Buch:

Louise Doughty: Deckname: Bird. Thriller. Aus dem Englischen von Astrid Arz

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Berlin: Suhrkamp Verlag 2025 390 S., € 18,00 ISBN: 978-3-518-47494-5

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