Krimis & Thriller

Crime-Time, die noch schtiger macht als Drogen

Im Sommer 1959 wird Max Heller zu einem Fall gerufen, bei dem zwei Männer bestialisch ermordet werden. Mit vielfachen Messerstichen werden diese aufgefunden. Wer hat die beiden Freunde so gehasst, dass er sie übertötet? Hellers Team ermittelt in alle Richtungen. Liegt das Motiv für die Morde in der Vergangenheit oder hängt es mit der Arbeit der Opfer zusammen? Schließlich arbeitet einer von ihnen im Zentralinstitut für Kernforschung in Rossendorf. Oder stecken gar ihre Ehefrauen dahinter? So wirklich zu trauern scheinen die Witwen nämlich nicht. Bei den Ermittlungen treffen Heller und sein Team immer wieder auf extreme Widerstände. Es scheint, dass die Suche nach dem Mörder fast seitens der Staatsmacht boykottiert wird. Aber letztendlich wird die Tat gestanden und der Fall zu den Akten gelegt. Allerdings bleiben bei Heller Zweifel.

Fast genau zwei Jahre später arbeitet Heller im Innendienst der Dresdner Polizei, steht kurz vor der Pensionierung. Er hat sich zu oft mit den Oberen angelegt. Da bekommt er ein Päckchen nach Hause geschickt, in dem sich Beweismittel zur damaligen Mordserie befinden. Kurze Zeit später ruft ihn ein Unbekannter an und verspricht ihm eine Überraschung: Neue Leichen werden gefunden, das Morden geht wieder los. Also haben sie damals doch den falschen Täter verurteilt. Aber warum meldet sich der wahre Killer jetzt privat bei Heller? Warum will er mit ihm spielen, ihn herausfordern? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Heller beißt sich wie ein Bluthund in jedem Hinweis fest, schiebt wie ein Schachspieler die Beteiligten auf einem imaginären Schachbrett hin und her, um ihre Züge nachzuvollziehen und die Verbindungen unter ihnen zu verstehen.

Und auch privat ist noch alles offen. Hellers Frau Karin hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie lieber heute als morgen in den Westen gehen würde. Heller hingegen tut sich schwer mit einer solchen Entscheidung. Sein geliebtes Dresden zu verlassen, kann er sich nicht vorstellen. Dann macht der entfremdete Sohn Klaus, überzeugter Stasi-Mann, einen Schritt auf Heller zu und warnt ihn, dass in Kürze keiner mehr die DDR verlassen könne. Nahezu unbemerkt von der Welt wird der Bau der Berliner Mauer vorbereitet. Wenn Flucht, dann jetzt ...

Krimiliteratur, die mindestens so sehr begeistert, wenn nicht sogar noch mehr als Volker Kutschers "Babylon Berlin"-Reihe - die Romane von Frank Goldammer bedeutet Ermittlungsarbeit vom Feinsten. Mit diesen erfährt man spannende Unterhaltung vom ersten bis zum letzen Satz. "Feind des Volkes" fesselt grandios, hält einen in Atem und bringt den Leser um seinen Schlaf. Solch eine genialste Lektüre haut einen glatt vom Hocker. Der deutsche Autor schreibt Krimis der Superlative. Im Bücherregal gibt es mit diesen nichts Vergleichbares. Goldammer ist ein Meister seines Fachs und einer ohnegleichen. Sein schriftstellerisches Können zu übertreffen, ist schier unmöglich. Schade, dass mit Erscheinen des vorliegenden Buches die Serie um Hauptmann Max Heller endet. Auch deshalb liest man es mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge.

Max Hellers letzter Fall ist nicht nur sein schwerster, sondern zugleich auch sein bester. In "Feind des Volkes" läuft der Ermittler zur Höchstform auf. Frank Goldammer gelingt es aufs Grandioseste, Spannung und Historizität zu einem Lektüreerlebnis der Spitzenklasse zu vereinen. Seine Veröffentlichungen sorgen für Leseeuphorie über viele, viele Stunden lang. Von diesen wird einem regelrecht high. Goldammer bringt einen schier zum Ausflippen. Was er schreibt, berauscht einen noch genialer als Drogen. Also, unbedingt lesen!

Susann Fleischer 
10.01.2022

 
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Das Buch:

Frank Goldammer: Feind des Volkes. Kriminalroman

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Mnchen: dtv 2021 416 S., 16,00 ISBN: 978-3-423-26300-9

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