Krimis & Thriller

Ein Krimiknaller, ganz in der SciFi-Tradition von einem Weltklasse-Schriftsteller wie Isaac Asimov

Berlin, in einer nahen Zukunft. Die Stadt pulsiert dank der Hubot-Industrie: Robotik-Unternehmen stellen künstliche Partner*innen her, die von realen Menschen nicht zu unterscheiden sind; jede Art von Beziehungswunsch ist erfüllbar. Uneingeschränktes privates Glück und die vollständige Abschaffung der Einsamkeit sind kurz davor, Wirklichkeit zu werden. Doch die Zahl der Selbsttötungen hat sich verzehnfacht. Denn die neuen Wesen beherrschen zwar die simulierte Liebe, können aber keine Verantwortung für jene übernehmen, mit denen sie zusammenleben. Immer mehr Menschen gehen an sozialer Entfremdung zugrunde. Deshalb kommt "Roberta" auf den Markt. Sie soll die Angehörigen der Suizidant*innen ausfindig machen, um dem Sozialamt die Bestattungskosten zu ersparen.

Roberta steht vor einer ziemlichen Herausforderung. Versagt sie, wird sie in Einzelteile zerlegt und an die Haushaltsrobotik verscherbelt. Nicht jeder ist am Erfolg ihrer Nachforschungen interessiert. Roberta gerät unter Druck. Und tatsächlich macht sie die eine oder andere, nicht immer gute Entdeckung: Der Tote scheint kein Geld hinterlassen zu haben, seine Eltern behaupten, sie wären insolvent, und die Hubot-Freundin beschließt aus Verzweiflung, sich nicht mehr dem Patriarch unterzuordnen. Roberta hat zu kämpfen, denn ihr ist klar: Als intelligente Maschine ist sie eine Gefahr für die Männer. Man versucht sie unter anderem in eine Falle zu locken. Doch Roberta lässt sich von ihrem Ziel nicht abbringen; egal, wie viele Steine man ihr in den Weg legt ...

Literatur mit der berauschenden Wirkung von Drogen - die Geschichten aus Emma Braslavskys Feder machen hochgradig süchtig. Und sie besitzen eine Sogkraft, der man sich partout nicht entziehen kann, auch nicht entziehen möchte. "Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten" ist Großstadtmärchen und Kriminalgeschichte und erzählt witzig und rasant von der Radikalisierung des Individuums, von der schmalen Grenze zwischen natürlichem und künstlichem Leben und von der Allmacht der Algorithmen. Solch ein Lesegenuss begeistert über alle Maßen, genauso wie die Ermittlungsarbeit von Protagonistin Roberta. Diese ist von einer Grandiosität, dass es einen glatt umhaut. Braslavsky beweist: Sie ist eine Meisterin ihrer Zunft. Ihre Bücher gehören unbedingt in jedes Regal!

So zu schreiben wie Emma Braslavsky, ist Kunst auf höchstem Niveau. Die Wahl-Berlinerin ist ein Ausnahmetalent unter Deutschlands Autorinnen. Ihre Geschichten versetzen den Leser geradezu in Ekstase. "Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten" bedeutet Science-Fiction der sensationellsten Sorte. Hier erfährt man Krimiunterhaltung in der Blockbusterqualität von Isaac Asimovs "I, Robot". Absolut genial bis zum letzten Satz!

Susann Fleischer 
16.09.2019

 
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Das Buch:

Emma Braslavsky: Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten

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Berlin: Suhrkamp Verlag 2019 270 S., 22,00 ISBN: 978-3-518-42883-2

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