Krimis & Thriller

Mord und Totschlag im Wald von Knig Artus

Es sollte für das Kommissariat von Concarneau ein ausgelassener Betriebsausflug in den Forêt de Brocéliande werden, einen sagenumwobenen Wald, in dem einst König Artus zugegen gewesen sein soll. Nebenbei wollte Kommissar Dupin noch einem ehemaligen Pariser Kollegen eine kleine Gefälligkeit erweisen, indem er bei einem dort am Rande des besagten Waldes beheimateten Forscher eine Zeugenaussage einholt. Doch als Dupin bei Fabien Cadiou eintrifft, liegt dieser tot in seinem Haus, in einer Blutlache, die ganz offensichtlich ein natürliches Ableben ausschließt. Dupin wird sogleich von ganz oben als Sonderermittler für diesen Fall einbestellt, was die zwei angedachten heiteren Tage im Artus-Wald hinfällig werden lässt. Denn Dupin spannt umgehend auch seine beiden Inspektoren Riwal und Kadeg sowie Nolwenn, seine brillante Frau für Recherche und Koordination, mit ein.

Zufälligerweise hat sich die Crème de la Crème der französischen Artus-Forschung, zu der auch der Ermordete gehörte, dieser Tage zu einer Konferenz im benachbarten Artus-Zentrum getroffen. Dupins Näschen sagt ihm, dass das Motiv für den vorliegenden Mord in deren wissenschaftlicher Arbeit begründet liegen muss. Ein weiterer Mord nur wenige Stunden später scheint ihm postwendend Recht zu geben. Doch die Schar der verbliebenen Artus-Forscher verhält sich wie eine Auster, die sich standhaft weigert, sich zu öffnen und Auskunft zu geben. Wichtige Informationen werden Dupin konsequent vorenthalten, was den Kommissar schier verzweifeln lässt, da Leib und Leben aller Beteiligten doch in höchster Gefahr zu schweben scheint. Als dann auch noch Dupins Inspektoren spurlos von der Bildfläche verschwinden, zieht der Sonderermittler alle Register seiner Kompetenz

In konsequenter Fortführung der bisherigen Titel trägt der neueste Roman aus der Feder Jean-Luc Bannalecs den Titel "Bretonische Geheimnisse". Numero Sieben ist dies mittlerweile, nachdem Dupin vor sechs Jahren mit "Bretonische Verhältnisse" debütieren durfte und seitdem in konsequenter Jahrestaktung zusammen mit seinen begeisterten Lesern einen neuen Fall zur Lösung bringt. Hinter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec versteckt sich mit Jörg Bong der Geschäftsführer der S. Fischer Verlage. Die ersten sechs Romane wurden bereits von der ARD verfilmt und ausgestrahlt, so dass es nicht überraschen dürfte, wenn auch der vorliegende siebte Fall sehr zeitnah über die Mattscheiben flimmern wird. Doch wie so oft hinken Schnellschussproduktionen für das Fernsehen gekonnten Buchvorlagen hinterher, so dass der Freund dieser bretonischen Krimis weiterhin zu den Produkten des Kölner Kiepenhauer & Witsch Verlages greifen wird.

Wieder einmal hat es Dupin ziemlich eilig. Der Autor schickt seinen Kommissar gerne und oft in Fälle, für die dieser aufgrund privater oder beruflicher Restriktionen nur wenig Zeit zur Verfügung hat. So ist es dieses Mal ein Versprechen gegenüber seiner Freundin, die Dupin am Abend des Folgetags in der neuen gemeinsamen Wohnung zurückerwartet. Dupin stürzt sich somit doppelt motiviert kopfüber in die Bearbeitung seines neuesten Falles. Die zu erwartende kurze Nacht kompensiert er wie gewohnt mit unbändigem Kaffeekonsum. Trotz des immer selben Strickmusters und der inhaltlichen Nähe zum vierten Roman "Bretonischer Stolz", in dem Dupin bereits in der bretonischen Sagen- und Mythenwelt ermittelte, gelingt es Bannalec aka Bong wieder ganz vorzüglich, seine Leser in den Bann zu ziehen und die hohe Frequenz der Ermittlungsaktivitäten auf deren Leserhythmus zu übertragen.

Mit der geschickten Auslieferung der Bretagne-Krimis im Juni eines jeden Jahres katapultieren sich diese natürlich in den Charts der beliebtesten Urlaubslektüre sofort ganz nach oben. So wird man im Sommerurlaub sehr wahrscheinlich auch des Öfteren den einen oder anderen treffen, der das gleiche Buch auf oder neben der Sonnenliege platziert hat. Dupins Vorgehensweise lässt das Herz von Freunden klassischer Kriminalliteratur wie Maigret und Konsorten hüpfen. Dank der Kreativität seiner Inspektoren und der unendlich erscheinenden Möglichkeiten Nolwenns hat Dupin ein Team der Extraklasse am Start, das kein Verbrechen in der bretonischen Idylle unaufgeklärt sein lässt. Dass Bannalecs Geschichten diesen schönen Flecken Erde am Rande der Alten Welt auch in den Fokus des Tourismus gerückt haben, hat dem deutschen Autor schon die eine oder andere Auszeichnung in Frankreich und der Bretagne eingebracht. Kein Wunder, wird man als Leser sagen, wenn man diesen Fall erfolgreich abgeschlossen hat und sich jetzt schon wieder auf Juni 2019 freut, wenn Dupin und Co. garantiert wieder in einem neuen Mordfall ermitteln werden.

Christoph Mahnel
13.08.2018

 
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Das Buch:

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Geheimnisse

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Kln: Kiepenhauer & Witsch 2018
400 S., 16,00
ISBN: 978-3-462-05201-5

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