Krimis & Thriller

Die Angst vor Nordkoreas Atombombe

Wer glaubt, Spionen gehe es wie James Bond vor allem darum, Frauen zu betören oder spektakulär Häuser in die Luft zu jagen, der wird sich wundern. Denn ganz unauffällig im Hintergrund arbeiten der Spion Karl Müller und seine Kollegen vom Bundesnachrichtendienst (BND) in Jacques Berndorfs neuem Spionage- Thriller «Bruderdienst». Dabei scheint ihr aktueller Fall besonders gefährlich zu werden: es wird vermutet, Nordkorea habe eine Atombombe verkauft. An wen, ist völlig unklar. Autor Berndorf, bekannt durch seine Eifel-Krimis, schickt Müller zum zweiten Mal in den Einsatz. Ihm gelingt ein spannendes Werk, das in seiner zurückhaltenden Art an Krimis von John Le Carré erinnert.

Die westlichen Geheimdienste, neben dem BND auch der amerikanische Bruderdienst und der israelische Mossad, sind in Alarmbereitschaft. Das völlig verarmte Nordkorea hat 300 teure Limousinen in Deutschland bestellt - und bezahlt. Schnell keimt der Verdacht auf, dass der Staat eine seiner Atombomben verkauft hat - möglicherweise an Terroristen, die Israel bedrohen wollen? Müller soll auf ein Hilfeersuchen der Amerikaner einen bedrohten Mann aus Nordkorea herausholen. Tatsächlich rettet er den Nordkoreaner Kim, doch schon in Seoul kommt es zu brutalen und lebensgefährlichen Anschlägen auf die beiden. Dabei erscheint vor allem dem BND-Chef Krause das Verhalten der amerikanischen CIA-«Brüder» immer zwielichtiger.

Berndorf - ein ehemaliger Polizeireporter, der in den vergangenen Jahren Millionenauflagen erschrieben hat und einer der erfolgreichsten deutschen Krimiautoren ist - versucht erfolgreich einen Spagat: Er, den der BND als ersten Autor bei der Recherche zu dem Spionage-Thriller «Ein guter Mann» unterstützt hatte, will die Realität zeichnen, so wie sie sein könnte. Er will aber auch auf spannende Weise unterhalten. Beides gelingt ihm mit einer entspannten Erzählweise und eher nüchternen Sprache, die das bedrohliche Szenario umso realistischer erscheinen lassen.

Es gelingt ihm aber auch, weil er geschickt mit den Erwartungen, den gängigen politischen Einschätzungen und sogar Ängsten seiner Leser spielt. Denn Nordkorea als Atommacht weckt Besorgnis, ebenso wie die Macht und die Skrupellosigkeit des amerikanischen Geheimdienstes und - wie der amerikanische Präsident George W. Bush.
Alle bekommen kräftig ihr Fett weg. Dabei fällt auf, dass dem BND bei Berndorf so gut wie keine Fehler unterlaufen, die Bruderdienste dagegen fast hilflos scheinen - eine kleine Gefälligkeit für das Entgegenkommen des Bundesnachrichtendienstes beim Recherchieren?

Berndorfs neues Buch unterscheidet sich wohltuend von vielen üblichen Spionage-Thrillern, weil der Autor keine eindimensionalen Charaktere geschaffen hat. So sorgt sich Müller, der so seine Schwierigkeiten mit Waffen hat, um seine etwas leichtsinnige und weltfremde Mutter, Krause um seine krebskranke Frau.

Thomas Strünkelnberg, dpa
05.12.2007

 
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Das Buch:

Jacques Berndorf:
Bruderdienst

Bild: Buchcover Jacques Berndorf, Bruderdienst

München: Heyne Verlag 2007
416 S., € 19,95
ISBN: 978-3-453-00630-0

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