Kinder- & Jugendbücher

Ein Kinderroman, der anonymen Schicksalen ein Gesicht gibt

Die 13-jährige Marit erbt von ihrer geliebten Oma Johanna ein Medaillon. Als das Mädchen das Schmuckstück öffnet, sieht sie darin eingraviert rätselhafte hebräische Schriftzeichen. Und dann entdeckt Marit in einem alten Karton unzählige Postkarten, die Johanna im Laufe ihres Lebens an unterschiedliche Kinder geschrieben haben muss. Wenig später findet Marit deren Namen auf einer Gedenktafel für die jüdischen Opfer eines Kindertransports von 1943 wieder. Nach und nach kommt sie einem wohl gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur: Johanna ist in Wahrheit die jüngste Tochter einer im KZ umgekommenen jüdischen Familie und einzige Überlebende des Kindertransports von 1269 Kindern in das Vernichtungslager Sobibor.

Und Marit erfährt noch etwas: Johanna hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die letzten Wünsche all dieser 1269 Kinder stellvertretend für sie zu leben, um ihnen ihre Namen und eigenen Geschichten zurückzugeben - um das Erinnern an sie wachzuhalten. So ging Johanna zum Beispiel am 23. Mai 1993 auf die Suche nach Elefanten, Büffeln, Nashörnern und Löwen, schenkte den ersten Kuss ihrer verstorbenen Schwester Kitty, heiratete in einem weißen Kleid und, und, und. Einzig ein Wunsch ist übrig geblieben. Marit macht es sich zur Aufgabe, auch diesen wahr werden zu lassen. Dabei erfährt sie nicht nur mehr über ihre Großmutter Johanna, sondern lernt auch sich selbst von einer anderen Seite kennen ...

Mit "Das Buch der 1269 Wünsche" gelingt Fedor de Beer eine der berührendsten und schönsten Geschichten, die in den letzten Jahren zum Thema "Holocaust" erschienen sind. Das erste Kinderbuch des niederländischen Autors ist ein Juwel der Literatur. Ab der ersten Seite, sogar ab dem ersten Satz bleibt garantiert kein Auge trocken. Am Schluss hat man selbst als Erwachsener mehr als eine Träne vergossen. Und trotzdem fühlt man sich einfach nur glücklich, geradezu schwindelig ob solch eines Leseerlebnisses. Fans von Anne C. Voorhoeve werden sich Hals über Kopf in diese Geschichte verlieben - und ebenso alle Nicht-Fans. De Beer bringt uns zum Strahlen. Er schafft mit seinen Worten ein Meisterwerk der Emotionen.

Unterhaltung, die einem garantiert noch lange in Erinnerung bleiben wird - während der Lektüre von "Das Buch der 1269 Wünsche" droht einem das Herz zu brechen. Fedor de Beer sorgt für ganz großes Gefühlskino. Was seiner Feder entstammt, bringt Kinder wie Jugendliche zum Lachen und zum Weinen, und das über alle Maßen. Grandioser kann Lesegenuss definitiv nicht sein!

Susann Fleischer
07.11.2016

 
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Das Buch:

Fedor de Beer:
Das Buch der 1269 Wünsche. Aus dem Niederländischen von Bettina Bach

Bild: Buchcover Fedor de Beer, Das Buch der 1269 Wünsche

München: dtv 2016
184 S., € 12,95
ab 11 Jahren
ISBN: 978-3-423-76154-3

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