Kinder- & Jugendbücher

Die Geschichte eines mutigen Mädchens, das überraschenderweise ihre Sprache findet

Worte sind das, was uns alle ausmacht. Mit ihnen können wir Dinge beschreiben, uns verständigen und unsere Bedürfnisse ausdrücken. Doch was ist, wenn uns diese Sprachfähigkeit nicht gegeben ist? Wenn wir uns nicht mitteilen können?

Die elfjährige Melody liebt Wörter. Tausende von ihnen sind in ihrem Kopf, wollen nach draußen. Doch das Mädchen leidet an Zerebralparese, die Krankheit, die durch Stephen Hawking berühmt wurde. Aufgrund dessen kann sie weder sprechen noch selbstständig laufen. Sie geht in eine spezielle Klasse in der Schule, in der Kinder mit geistigen oder körperlichen Schwächen unterrichtet werden. Die Schulstunden langweilen sie aber sehr, da Melody ein fotografisches Gedächtnis hat und sich Dinge auf Anhieb merken kann. Als die Schule nach den Sommerferien ein Projekt startet, in dem diese Klasse für einige Schulstunden in "normale" Klassen integriert wird, ist Melody hin und weg. Sie bekommt eine Schulbegleiterin namens Catherine zugeteilt, die ihr helfen soll, den Schulalltag der 5. Klasse zu meistern und freundet sich zudem mit Rose an. Natürlich gibt es auch Kinder, die mit Melody nichts anfangen können und sich über ihre vermeintliche Schwäche lustig machen. Melody erwartet schließlich noch eine Überraschung: Ein Gerät, in das Wörter und Sätze einprogrammiert werden können und mit dessen Hilfe Melody endlich sprechen kann. Wie wird der Schulalltag nun für sie aussehen? Wie ist die Reaktion ihrer Familie und Freunde, wenn sie das Mädchen zum ersten Mal sprechen hören? Und was hat es mit dem Superhirn-Quizteam auf sich, das jede Schule zu einem landesweiten Wettbewerb entsendet? Wird Melody es schaffen, in das Team ihrer Schule aufgenommen zu werden?

Der Jugendroman "Mit Worten kann ich fliegen" von Sharon M. Draper ist aus der Sicht von Melody geschrieben und genau aus diesem Grund so berührend. Der Leser erhält Einblicke in das Leben und in die Gefühle der Protagonistin und leidet mit ihr, wenn sie verzweifelt versucht, sich irgendwie verständlich zu machen oder von ihren Mitschülern gemieden wird.

Der geistige Stand von Melody spiegelt sich sehr gut in der Sprache, die verwendet wird, wieder, die zum Teil kindlich, zum Teil aber auch sehr erwachsen ist. Der Leser hofft die gesamte Geschichte über, dass das Mädchen endlich zu dem Respekt gelangt, den sie verdient.

Der Roman ist erzählerisch sehr gelungen und ein Plädoyer dafür, Menschen nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen und jedem gegenüber tolerant zu sein. Mit diesem Werk ist Sharon M. Draper ein Buch gelungen, das berührend und zum Teil erschütternd zugleich ist. "Mit Worten kann ich fliegen" ist definitiv eines der Bücher, die man immer und immer wieder lesen kann, um sich die wichtigen Tugenden Freundschaft, Toleranz und Respekt vor Augen zu führen.

Jana Gengnagel
09.03.2015

 
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Das Buch:

Sharon M. Draper:
Mit Worten kann ich fliegen. Aus dem Amerikanischen von Silvia Schröer.

Bild: Buchcover Sharon M. Draper, Mit Worten kann ich fliegen

Berlin: Ueberreuter 2014.
317 S., 14,95€
ISBN: 978-3-7641-7010-3

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