Kinder- & Jugendbücher

Mit der «Knickerbocker-Bande» zum Welterfolg

Thomas Brezina ist ein Phänomen: Während Millionen Bundesbürger seinen Namen noch nie gehört haben, gibt es Millionen, die den Österreicher kennen, heiß und innig lieben - und lesen. Brezina ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Kinderbuchautoren - von ihm gibt es rund 400 Bände in 13 Buchreihen, darunter «Die Knickerbocker-Bande», Übersetzungen in 32 Sprachen, dazu Verfilmungen und Hörspiele, Theaterstücke und Musicals. «Tiger- Team» erschien in China gleich zehn Millionen Mal. Mit «Wer öffnet die 7 Siegel des Michelangelo?» schrieb er nun den dritten Band einer Reihe über Künstler.

«Leidenschaft» sei es, was ihn an großen Kreativen fasziniere, erzählt Brezina beim Bummel durch die aktuelle Michelangelo- Ausstellung im Londoner Britischen Museum, in dessen Buchladen die englischsprachige Ausgabe seines neuen Werkes ausliegt. Dass auch Brezina auf seine Weise über Passion verfügen muss, merkt man nicht nur am überwältigenden Ausmaß seiner Produktion, sondern auch am überraschend kräftigen Händedruck des eher feingliedrigen 43- Jährigen. Seit fünf Jahren verlegt der Schriftsteller mit Häusern in Wien und im Burgenland sein diszipliniertes Schaffen jeweils für mehrere Monate in ein Hotel-Studio am Trafalgar Square: «London ist so offen und kosmopolitisch, dass man hier einander gegenseitig inspiriert.»

Munter, engagiert, auch mal plakativ, angereichert mit vielen Anekdoten, gibt der jugendlich wirkende Mann in Drachen-T-Shirt, Jeansjacke und Cargo-Hose Auskunft über seine Arbeit, für die er viele Preise erhielt und 1996 zum Unicef-Botschafter ernannt wurde.
«Ich will starke Geschichte erzählen - und dabei meine Anliegen mit einfließen lassen», sagt Brezina. «Meine Botschaften bedeuten eigentlich immer, Kindern und Jugendlichen Selbstvertrauen und Tatkraft zu vermitteln, auch den Mut, Außenseiter zu sein.» Er sei ein positiver Mensch, der nichts von Jammern und Opferhaltung halte: «Wir sind nicht auf der Welt, um zu leiden. Sondern um Freude zu empfangen und zu bereiten.» Seinen katholischen Glauben habe er dabei hinter sich gelassen.

Das betont Unterhaltsame und Positive seiner Bücher, die Brezina selbst als von der handfesteren angelsächsischen Erzähltradition beeinflusst sieht, hat oft Anlass zu Kritikerschelte gegeben. Gegen den Vorwurf der Trivialität setzt sich der Sohn eines bedeutenden Arztes und einer Musikpädagogin mit dem Hinweis zur Wehr, dass seine Geschichten aufbauend wirkten und Kinder zum Lesen gebracht hätten, die zuvor nie Gedrucktes in die Hand nahmen. Doch zugleich scheint ihn die Kritik empfindlich und vorsichtig gemacht zu haben. Thomas Brezina, populär auch als Moderator von TV-Jugendsendungen, weiß sein Inneres zu schützen: «Ich bestimme heute, was von mir ich der Öffentlichkeit präsentiere. Mein Privatleben gehört mir.»

Über Fragen wie die nach einem möglichen eigenen Kinderwunsch mag der Junggeselle daher nicht sprechen. Viel lieber berichtet er von seiner Laufbahn als Autor, die er eher aus Zufall eingeschlagen habe. Immer sei alles Entscheidende zum richtigen Moment gekommen. Zwar habe er schon als 15-Jähriger für eigene Texte den Großen Österreichischen Jugendpreis erhalten, doch wurde er erst später - während seines Studiums der Theaterwissenschaften - von Freunden gebeten, TV-Drehbücher und Hörspiele zu verfassen. Dann habe sich eines aus dem anderen ergeben, die Ideen purzelten ihm nur so durch den Kopf. Der Weltruhm? «Eine irre Sache. Das berührt mich ganz tief.» Warum Literatur ausschließlich für junge Leser? «Ich hab' nie drüber nachgedacht. Ich hab's getan.» Wesentlich sei, nur das zu tun, was man wirklich wolle.

Das sprechende Fahrrad «Tom Turbo», «Hot Dogs», «Sieben Pfoten für Penny» oder auch «No Jungs» kamen auf diese Weise in Kinderzimmer und Jugendbibliotheken. Brezina sagt, seine Erfindung seien interaktive Bände wie die des «Tiger-Team» - grafisch vielfältig gestaltete Bücher, die zum Mitmachen auffordern: «Die Leser werden Teil der Handlung, sie erleben ein Abenteuer.» Auch sein anspruchsvolles, von Laurence Sartin gewitzt illustriertes Werk über Michelangelo eröffnet diese Möglichkeit: Im Laufe der turbulenten Kriminal-, Zeitreise- und Rategeschichte lernen Jungen und Mädchen ab 8 Jahren Lebensstationen, Arbeiten und die Person des Künstlers kennen - mit Farbe und Humor.

Ulrike Cordes, dpa
11.05.2006

 
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Das Buch:

Thomas Brezina:
Wer öffnet die 7 Siegel des Michelangelo?

Bild: Buchcover Thomas Brezina, Wer öffnet die 7 Siegel des Michelangelo?

München: Prestel Verlag 2006,
108 S., € 14,95
ISBN: 3-7913-3494-8

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