Kinder- & Jugendbücher

Potter-Parallele: Catherine Banner schreibt «Das Lied von Malonia»

Harry Potters Nachfolger ist da - zumindest wenn es nach dem Willen der Verleger geht. Er heißt Leo North, lebt im Reich Malonia, hat ebenfalls magische Kräfte. Statt von Joanne K. Rowling wurde er jedoch von der erst neunzehnjährigen Britin Catherine Banner erschaffen. Nach Ende der populären Potter-Romanreihe hoffen die Verleger nun auf klingelnde Kassen und Potter-Fans auf einen neuen Helden. Das kürzlich auf Deutsch erschienene «Lied von Malonia» soll diese Erwartungen erfüllen. Das Debüt sorgte in Banners Mutterland Großbritannien bereits für gewaltigen Medienrummel. Angst vor Plagiatsvorwürfen muss die junge Autorin aber nicht haben, denn die Geschichten von Harry Potter und Leo North gleichen sich nur auf den ersten Blick.

Zusammen mit seiner Großmutter und seinem jüngeren Bruder Stirling fristet Leo ein trostloses Dasein in einem Armutsviertel Malonias. Seine Zukunftsaussichten sind genauso düster wie der Himmel über dem Land, seit Tyrann Lucien mit eiserner Hand regiert. Gegen seinen Willen wird Leo an einer Militärakademie gequält, um später als Soldat zu dienen. Während Potter durch einen Brief vom Zauberinternat Hogwards von seinen magischen Fähigkeiten erfährt, ist es ein leeres Buch im Schnee, das Leo North in die Welt der Magie führt. Leo findet es eines Abends und nimmt es mit nach Hause. Fortan hat der Junge Visionen aus einem Zauberreich namens England.

An England glauben in Malonia eigentlich nur Kinder und Verrückte.Diese munkeln, dorthin sei der rechtmäßige Thronfolger Malonias, Prinz Ryan geflohen, nachdem Tyrann Lucien den König ermordete und so an die Macht gelangte. Tatsächlich erkennt Leo den Prinzen in seinen Träumen und ahnt, dass man in England den Aufstand gegen Lucien probt.

Bei Banner entwickeln sich zwei verschiedene Handlungsstränge nebeneinander, das Leben der Protagonisten in Malonia und England. Nicht immer gelingt ihr der ständige Wechsel reibungslos.Verwirrende Verwandtschaftsbeziehungen machen es dem Leser anfangs schwer, zu folgen. Immer schneller wechselt die junge Autorin zwischen Szenen, bis die beiden Welten in einem blutigen Kampf um Leben und Tod aufeinandertreffen. Ganz klassisch siegt Gut über Böse. Der Tyrann wird gestürzt und Priny Ryan kann aus seinem englischen Exil zurückkehren, um den Thron zu besteigen.

Doch dieser hat in der Zwischenzeit sein Herz an eine englische Schönheit verloren und steht vor der Wahl zwischen Pflicht und Liebe. Ryans Geschichte nimmt immer mehr Raum ein, während Leo als Erzähler in den Hintergrund rückt.

«Das Lied von Malonia» ist ein Fantasy-Roman voller Liebe und Hass, aber auch mit grausamen Mordszenen. Diese machen ihn nicht gerade zu einem perfekten Vorlesewerk für die ganz Kleinen, aber zu einer spannenden Lektüre auch für die Größeren. Ob Leo North allerdings wirklich das Potenzial hat, in Harry Potters überdimensionale Fußstapfen zu treten, bleibt abzuwarten. Banner muss es in den Folgebänden der Trilogie schaffen, den Übergang zwischen den Welten zu entwirren und Leo wieder etwas sympathischere Züge einzuhauchen, avanciert dieser doch sogar zum Mörder. Derzeit arbeitet sie noch an den Fortsetzungen. Über die Filmrechte zur neuen Romanreihe wird jedenfalls schon verhandelt.

Sonja Broy, dpa
22.09.2008

 
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Das Buch:

Catherine Banner:
Das Lied von Malonia. Aus dem Englischen von Patricia Woitynek

Bild: Buchcover Catherine Banner,  Das Lied von Malonia

München: Verlag Penhaligon 2008
480 S. € 18,95
ISBN: 978-3-764-53000-6

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