Kinder- & Jugendbücher
Die Jugendthrillerversion von "Betty und ihre Schwestern"
1868/69 veröffentlichte Louisa May Alcott mit dem zweiteiligen Roman "Little Women" die Lebensgeschichte der Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy, die gemeinsam mit ihren Eltern in Neuengland aufwachsen. Die kluge, jungenhafte Josephine ("Jo"), die hübsche und fügsame Meg, die selbstlose und friedliche Beth und das Nesthäkchen, die egoistische Amy, werden von ihren kindlichen Luftschlössern bis hin zur Frauwerdung begleitet. Mehr als 140 Jahre später hat diese Story an ihrem Unterhaltungswert nichts verloren. Autorin Katie Bernet hat für "Beth is dead" die Grundelemente wie Charaktere, Schauplatz und Atmosphäre genommen, aber daraus einen Jugendthriller gemacht, der selbst Erwachsene an ihre gesundheitliche Grenzen bringen wird.
Vier Schwestern: Eine ist tot. Aber alle haben etwas zu verbergen. Es ist der erste Tag im neuen Jahr, als Beth March tot aufgefunden wird. Für die Polizei ist sofort klar: Es war Mord. Schnell geraten ihre Schwestern unter Verdacht: Jo ist eine aufstrebende Autorin mit vielen Followern. Hat sie ihre Schwester für eine reißerische Geschichte umgebracht? Amy möchte unbedingt in Europa Kunst studieren, aber sie braucht Geld von ihrer Tante - Geld, das für Beth bestimmt war. Und Meg würde nicht im Traum daran denken, ihre Schwester zu verletzen, aber ihr Freund könnte es getan haben, und ihn würde sie um jeden Preis schützen. Und der Kreis der Verdächtigen ist noch größer, denn vor Monaten wurden die Schwestern unfreiwillig ins Rampenlicht gezerrt, als ihr Vater einen umstrittenen Bestseller über seine Töchter veröffentlichte.
Detective Freya Kirke vom Concord Police Department ermittelt mit ihren Kollegen unter Hochdruck. Und tatsächlich erfolgt schon bald eine Verhaftung. Doch John erweist sich als ebenso unschuldig wie zum Beispeil Amy, die die Mordnacht im Bett mit einem anderen Typen verbracht hat. Warum aber erzählt sie der Polizei ein falsches Alibi? Das dann auch noch platzt. Während sich die Presse ihre eigene Geschichte zusammenspinnt, die Polizei bei ihrer Suche nach einem Täter von einer Sackgasse in die nächste gerät, beschließen Amy, Jo und Meg, den Fall selbst zu lösen. Gar kein so leichtes Unerfangen! Nicht zuletzt, weil die Schwestern plötzlich nicht mehr vertrauen. Jede traut jeder die Tat zu! Doch was ist die Wahrheit? Nach und nach kommt ein Geheimnis nach dem anderen ans Tageslicht. Und jedes ins dunkler als das vorherige ...
Jugendliteratur war seltenst spannender als die aus Katie Bernets Feder. Ihr Debüt "Beth is dead" ist ein absoluter Volltreffer und gehört nicht nur deshalb unbedingt in jedes Bücherregal. Was man hier in die Hände kriegt, zerreißt die Nerven in Tausend Fetzen. So wünscht man sich Thrill-Time de luxe: als ein Genuss der mörderischsten Sorte. Die US-Amerikanerin kennt mit ihren Leser*innen keinerlei Gnade: Ihre Bücher fesseln einen vom ersten bis zum letzten Satz, sodass man von der Welt um sich herum nichts mehr mitbekommt. Nicht einmal, wenn eine Bombe neben einem explodieren würde! Kurzum: ein Genuss, der den Puls auf 180 Schläge pro Minute und sogar noch höher treibt. Solch eine Lektüre haut einen glatt vom Hocker; und das auf fast jeder Seite!
Unterhaltung, die einem den Atem über viele, viele Stunden lang raubt - so zu schreiben wie Katie Bernet zeugt von ganz großem Können. Auch wenn "Beth is dead" Teenager als Lesezielgruppe hat, so kommt man auch als Ü-30-Jährige um die Story partout nicht herum. Da wird man seinen Kids und sich selbst die Glühbirne ausdrehen müssen. Ansonsten steht einem mehr als eine schlaflose Nacht bevor. Der Grund: Das vorliegende Buch ist der Geniestreich eines Debüts. Definitiv unschlagbar-genialst!
Susann Fleischer
18.05.2026
