Kinder- & Jugendbücher

Geheimnisvoller, abenteuerlicher Jugendroman mit historischen und fantastischen Elementen

Markus J. Beyer erzählt in seinem Debütroman die Geschichte von Jan und Flo, die bei einem Besuch des Hornhut-Turmes von dem Uhrmacher Johannes Chronimus erfahren, der vor ca. 350 Jahren als Türmer arbeitete und heimlich die Turmuhr, ein Meisterwerk sowohl in der damaligen als auch in der heutigen Zeit, erschaffen haben soll.

Die Kinder beschließen der Sache auf den Grund zu gehen und beginnen Nachforschungen über Johannes Chronimus anzustellen. Dabei müssen sie feststellen, dass scheinbar jemand zu verhindern versucht, dass die Kinder die Wahrheit über den wirklichen Erbauer der Turmuhr erfahren, die offiziell vom Uhrbauermeister Erwin Wichern erschaffen wurde. Doch Jan und Flo gelingt es immer tiefer in die Geschichte der Turmuhr einzudringen und so werden sie bei ihren Nachforschungen mit vielen unerklärlichen Ereignissen konfrontiert, bis sie schließlich selbst am Weihnachtsabend die Möglichkeit haben, in die Erfüllung einer geheimnisvollen Prophezeiung einzugreifen. Doch zuvor müssen sie die unterirdischen Gänge der Stadt durchqueren, um rechtzeitig im Turm anzukommen…

Stück für Stück erschließt sich den beiden Protagonisten und damit auch dem Leser des Romans, der wahre historische Hintergrund der Turmuhr, sei es durch Erzählungen des Kassierers Herrn Bötefür, Informationen aus der Stadtbibliothek, eigene Erforschungen der Uhr, etc. Wie die Kinder taucht somit der Leser ein in die Historie der Uhr und nimmt teil am Schicksal des wirklichen Erbauers Johannes Chronimus. Je weiter die Kinder in die Geschichte eindringen, desto mehr nehmen die fantastischen Elemente zu, die mit der Legende um den Uhrmacher verknüpft sind. Dennoch ist man bei der Lektüre des Romans fast geneigt zu glauben, die Geschichte des Johannes Chronimus und des offiziellen Erbauers der Uhr, Erwin Wichern, sei real, doch alles ist frei erfunden, wie der Autor im Nachwort erklärt. Trotzdem erhalten die wohl zumeist jugendlichen Leser Informationen über die realen historischen Hintergründe, z. B. über die Zünfte oder die Weltbilder Ptolemäus’, Boyles, Keplers oder Galileis. So lässt sich auch der Titel des Romans auf das Weltbild Robert Boyles zurückführen, nach dem das Universum ein Räderwerk ist, das nach physikalischen Gesetzen arbeitet, dessen Erbauer aber Gott ist.

Leider überstürzen sich am Schluss des Romans die Ereignisse und die Handlung driftet zu sehr ab ins Fantastische.

Ein in klarer Sprache verfasster, überaus spannender Jugendroman, insbesondere durch den Wechsel von Rahmenhandlung und historischen Rückblicken bzw. die Verknüpfung von Realität und Fiktion, durch gelungene Wechsel der Perspektive und offene Kapitelausgänge, an die nicht unmittelbar im nächsten Kapitel angeknüpft wird.

Zudem bietet der Roman Identifikationsmöglichkeiten für Jungen und Mädchen durch das detektivisch arbeitende Geschwisterpaar und ist daher für alle jugendlichen Leser ab 11 Jahren mit Interesse an Abenteuergeschichten, aber auch an historischen und Fantasy-Romanen zu empfehlen.

Claudia Birk-Gehrke
18.02.2008

 
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Das Buch:

Markus J. Beyer:
Das Geheimnis der Weltenuhr

Bild: Buchcover Markus J. Beyer, Das Geheimnis der Weltenuhr

Freiburg/Br.: Herder 2007
317 S., € 13,90
ISBN: 978-3-451-70861-9

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